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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Siebenundzwanzigstes Kapitel: Die vorkapita-listische Berusstätigkeit

Das Nächstliegende behandle ich zuletzt und brauchte esvielleicht gar nicht zu behandeln, weil es im Grunde sich vonselbst versteht, und weil jedermann bei einigem Nachdenken leichtselber einsehen kann, worauf der Inhalt dieses Kapitels hinzielt:daß einige der vorkapitalistischen Berufe gleichsam Vorschulendes kapitalistischen Geistes gewesen sind. Wirtschaftliches Inter-esse und Alltagsgewöhnung waren die Lehrer, und das Ressen-timent hat, wie wir sehen werden, nachgeholfen, einzelne Zügedes kapitalistischen Geistes in jener Sphäre stärker auszubilden.

Derjenige Beruf, in dem sich die Keime dieses Geistes amfrühsten entfaltet haben, ist natürlich der Handel in seinemweitesten Verstände. Was er immer schon bewirken, oder wor-an er doch wenigstens den menschlichen Geist allmählich gewöhnenmußte, war die Ausrichtung des Denkens auf die Quantität.Während der vorkapitalistische Produzent, ob Bauer, ob gewerb-licher Handwerker, immer, wie wir sahen, von den Kategoriender Qualität beherrscht bleibt: das heißt Güter als qualitativverschiedene Gebrauchsgüter herstellt, verschwindet für den Händ-ler frühzeitig die qualitative Bedeutung und Bewertung derGüterwelt, weil er erstens keine organischen Beziehungen zuden von ihm gehandelten Gütern hat. Der Bauer wie derHandwerker, beide, fanden wir, verwachsen bis zu einem ge-wissen Grade mit den Dingen, die sie herstellen; diese bilden einenTeil ihrer selbst; sie selbst sind in ihnen; ihr Verhältnis zuihnen ist ein innerliches. Wohingegen der Händler zum Gegen-stande seines Handels immer in einem rein äußerlichen Ver-hältnis verharrt: er übernimmt das Erzeugnis in fertigem Zu-stande und weiß nichts von den Mühen und Sorgen, unterdenen es zur Welt gebracht ist. Er betrachtet es nur von einer