Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
436
Einzelbild herunterladen
 

436

Dritter Abschnitt! Die sozialen Umstände

den Kapitalismus so trefflich vorbereitet waren, als dieser sich zuentwickeln begann. In der Tat halte ich an dieser Ansicht festund halte die Geldleihe nach wie vor für eine der Quellen, ausdenen der kapitalistische Geist gespeist worden ist zumal in einerZeit, in der rings umher noch naturalwirtschaftliche unter derKategorie der Qualität stehende Verhältnisse herrschten. Weshalbaber die Geldleihe in noch höherem Maße wie der Waren-Handel (von dem sie in dem hier fraglichen Sinne nur eineSteigerung darstellt) als eine Drillschule für die Ausbildungkapitalistischer Sinnesart anzusehen ist, läßt sich wie folgtausdrücken:

In der Geldleihe ist alle Qualität völlig ausgelöscht undder wirtschaftliche Vorgang ausschließlich quantitativ bestimmt;

in der Geldleihe ist das Vertragsmäßige des Geschäfts dasWesentliche geworden: die Verhandlung über Leistung undGegenleistung, das Versprechen für die Zukunft, die Idee derLieferung bilden ihren Inhalt;

in der Geldleihe ist alles Nahrungsmäßige verschwunden;

in der Geldleihe ist alle Körperlichkeit (allesTechnische")endgültig ausgemerzt: die wirtschaftliche Tat ist rein geistigerNatur geworden;

in der Geldleihe hat die wirtschaftliche Tätigkeit als solcheallen Sinn verloren: die Betätigung mit Geldausleihen hatvollständig aufgehört, eine sinnvolle Betätigung des Körperswie des Geistes zu sein; damit ist ihr Wert aus ihr selbst inden Erfolg verrückt; der Erfolg allein hat noch Sinn;

die Geldleihe ist ein besonders fruchtbares Feld für die Ent-wicklung der Nechenhaftigkeit: der Mensch sitzt eigentlich seinganzes Leben mit Rechenstift und Papier am Tische;

in der Geldleihe tritt zum ersten Male ganz deutlich dieMöglichkeit hervor, auch ohne eigenen Schweiß durch eine wirt-schaftliche Wandlung Geld zu verdienen; ganz deutlich erscheint