Siebenundzwanzigstes Kapitel: Die vorkapitalistische Berufstatigkeit 4Z7
die Möglichkeit: auch ohne Gewaltakt fremde Leute für sicharbeiten zu lassen.
Was dem berufsmäßigen Geldleiher, dem „Wucherer"fehlt, das hatte Anton inus richtig erkannt, ist der Unter-nehmungsgeist, der Wagemut. Tritt dieser aber hinzu, so kanngerade der Geldleiher zum kapitalistischen Unternehmer großenStils sich auswachsen: die spezifisch kaufmännische Unternehmungist eng mit der Geldleihe (wie wir gesehen haben) verknüpft.Die Geldleihe kann sich so zum kapitalistischen Geldhandel(Bankiertätigkeit!), aber auch zur kapitalistischen Produktions-unternehmung (Verlag I) auswachsen. Florenz ist nicht nur dieStadt des Wollhandels, sie ist auch die Stadt der Bankiers!
Sie ist aber endlich auch, was wir bedenken müssen, wennwir verstehen wollen, warum sie die Hochburg des frühkapita-listischen Geistes geworden ist, die Stadt der Zünfte parexcellence und der Zunftherrschaft.
Durch einen historischen Zufall: die Gegnerschaft zwischender kaiserlichen und antikaiserlichen Partei, gelangten in Florenz die Zünfte schon im 12. Jahrhundert zum Anteil am Stadt-regiment. „Die Handwerkerzünfte hatten sich ihren Beistand(den sie dem Kaiser leisteten) hoch bezahlen lassen und derPodeM nebst seinen Räten stand in Wirklichkeit in Abhängigkeitvon der neu zur politischen Macht gelangten Gesellschafts-schicht" Im Jahre 1193 sind der demokratischen Entwick-lung des Gemeinwesens die Wege gebahnt.
Wenn ich nun vorhin andeutete, daß ich diese Eigenart derFlorentiner Geschichte ebenfalls mit verantwortlich mache fürdie hohe und frühe Entwicklung des kapitalistischen Geistes inFlorenz , so kann das leicht parodox erscheinen, da ja doch dieZünfte die Todfeinde des Kapitalismus sind. And ist es dochnicht. Denn zweifellos stammt ein wichtiger Teil des kapi-talistischen Geistes, derjenige vor allem, der in den bürgerlichen