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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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4Z8 Dritter Abschnitt: Die sozialen Amstände

Tugenden in die Erscheinung tritt, aus der Enge der Zunft-stuben. Äier istdie heilige Wirtschaftlichkeit" recht eigentlichzu Äause. Sie ist hier als ein Kind der Not zur Welt ge-kommen. Äier mußte man sparsam und nüchtern und betrieb-sam und keusch, und was weiß ich sonst noch, sein, wollte mannicht seine ganze Existenz aufs Spiel setzen. Man hat jeneTugenden christliche Tugenden genannt; waren sie auch. Andsie zu Pflegen, ohne äußeren Zwang, war gewiß eine be-achtenswerte Leistung der Selbstzucht. Aber man darf dochnicht vergessen, daß der Gewürzkrämer und Wollweber jeneTugenden" eben als Bestandteile seiner Lebensführung auf-gezwungen bekommt: er muß zu der Überzeugung gelangen,daß Schulden machen und mit Vergnügungen und Liebesaffärenseine Zeit vergeuden ihn an den Bettelstab bringt. Wir be-obachten denn auch aller Orten, wie die Not die Zünftler imLaufe der Zeit immer mehr zu gutenBürgern" macht. Vonden englischen und schottischen Städten wird uns das aus-drücklich bestätigt.

Es ist augensichtlich", schreibt eine vortreffliche Kennerindes mittelalterlichen England ^),daß lange vor der Refor-mation, und ehe irgendwelche puritanischen Grundsätze ihrenEinfluß ausüben konnten, die Fröhlichkeit der Städte ver-schwunden war unter der Last des Geschäfts leb ens" (tke Zaiet^ok tlie towns was alreacl^ sobereä tke pressure oibusiness). And ein anderer will dieselbe Entwicklung inden schottischen Städten beobachtet haben. Die Zunftstubeengte selbst den bäuerlichen Lebensspielraum noch ein. Einechter Bauer ist ein kleiner Seigneur, der lebt und leben läßt.Der städtische Handwerker verkümmert, vertrocknet, verödet undwird damit zum Stammvater desBürgergeistes".

Freilich, daß dieser zu einem Bestandteile des kapitalistischen Geistes wurde, daß auch Leute, die es sich leisten konnten, ein