Achtundzwanzigstes Kapitel: Der Kapitalismus selbst 447
der Vervollkommnung willen. Dabei geschieht es dann, genauwie bei der Entwicklung der Technik, daß der Mensch mit seinenlebendigen Interessen unberücksichtigt bleibt, wo es die Vollendungdes rationalen Systemes gilt. So wächst nun also in unserenTagen der ökonomische Rationalismus von innen heraus undvergrößert sich täglich durch eigene Kraft, selbst ohne Zutun deswirtschaftenden Menschen selbst.
Dieses Wesen mit dem eigenen Leben nimmt nun der Anter-nehmer in seinen Dienst, wie er einen Direktor oder einenArbeiter anstellt, ohne viel Äberlegung — mechanisch, noch besser:so wie er selbstverständlich sich die vollkommenste Maschine an-schafft. Dieser rein mechanische Akt der Anwendung des jeweilshöchst entwickelten Systems bester Geschäftsmethoden brauchtnur automatisch immer wieder vollzogen zu werden, in demMaße wie die Systeme sich vervollkommnen, um jederzeit diehöchste Stufe der ökonomischen Ratio innezuhaben. DasSystem sitzt in dem Gehäuse der kapitalistischen Unternehmungwie ein unsichtbarer Geist: „es" rechnet, „es" führt Buch, „es"kalkuliert, „es" bestimmt die Lohnbeträge, „es" spart, „es" regi-striert usw. Es tritt dem Wirtschaftssubjekt mit selbstherrischerGewalt gegenüber; es fordert von ihm; es zwingt ihn. Andes rastet nicht; es wächst; es vervollkommnet sich. Es lebt seineignes Leben.
Diese Verselbständigung des ökonomischen Ratio-nalismus: seine Summierung, Objektivierung, Mechanisierungund Automatisierung hat nun für die Ausgestaltung der Unter-nehmertätigkeit und damit für die Entwicklung des kapitalistischen Geistes selbst wieder weittragende Folgen. And zwar dadurch, daßder Unternehmer entlastet wird. Diese Wirkung tritt ganz deutlichein, wenn dieser den ökonomischen Rationalismus fertig einkauft undvon Äilfspersonen, die er dafür besoldet, einführen und durchführenläßt. Sie bleibt aber auch dann nicht aus, wenn er sich selbst um