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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände

keit, Profit zu erzielen, einerseits, durch den Druck der Konkurrenzandrerseits versetzt wird. Er muß seinen Betrieb so rationellwie möglich gestalten.

Aber vielleicht noch wirksamer drängt auf höchste Voll-kommenheit der Wirtschaftsführung hin die dem ökonomischenRationalismus selbst innewohnende Triebkraft, sich durchzusetzen.Hier beobachten wir einen jener seltsamen, auch in anderenKulturkreisen sich abspielenden Vorgänge: daß ein von Menschen-hand geschaffenes System zu eigenem Leben erwacht und selbst-seelisch ohne und über und gegen das bewußte Eingreifen desEinzelmenschen seine Wirksamkeit entfaltet.

Dieser Belebungsprozeß spielt sich etwa so ab.

In dem Maße wie ökonomischer Rationalismus bedurftwurde, ist seine Erzeugung eine selbständige, Haupt- oder neben-beruflich geübte Tätigkeit geworden. Tausende und Abertausendevon Menschen beschäftigen sich heute mit nichts anderem alsmit der Ersinnung und Ausführung bester Methoden der Ge-schäftsführung. Angefangen mit den Professoren der Privat-wirtschaftslehre an den Handelshochschulen bis hinunter zu demÄeere von Bücherrevisoren, Kalkulatoren, Registratoren undFabrikanten der vollkommensten Zahlmaschinen, Lohnberechnungs-maschinen, Schreibmaschinen, Briefordner usw. And selbst dieAngestellten und Arbeiter großer Anternehmungen werden durchPrämien angereizt, sich an dieser Produktion von ökonomischemRationalismus zu beteiligen. Damit ist natürlich eine Füllevon Interesse an der Vervollkommnung der Geschäftsmethodengeschaffen, sind ungezählte Mengen von Energien in dieseRichtung geleitet worden. Für alle die an der Erzeugung vonökonomischem Rationalismus berufsmäßig beteiligten Personenwird diese Erzeugung Lebensaufgabe, Selbstzweck. Ähnlich wiewir es bei der Entwicklung der Technik beobachtet haben: manfragt nicht mehr nach dem Zweck, sondern vervollkommnet um