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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Achtundzwanzigstes Kapitel: Der Kapitalismus selbst

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Jahrzehnten darauf verwandt haben, den Knoten der historischenZusammenhänge zu lösen, können wir nicht mehr uns damit zu-frieden geben, ihn zu durchhauen.

Aber diese Ansicht schließt nun ganz gewiß nicht die Über-zeugung aus, daß der Kapitalismus auch an der Heraus-bildung der modernen Wirtschaftsgesinnung beteiligt ist. Ge-wiß ist er eine ihrer Quellen und gewiß nicht die schwächste.Je weiter die kapitalistische Entwicklung fort-schreitet, von desto größerer Bedeutung wird siefür die Gestaltung des kapitalistischen Geistes, bisvielleicht zuletzt der Punkt erreicht wird, wo sieallein diesen bildet und formt.

Diesen (bisher trotz aller großen Worte überhaupt noch nichtuntersuchten) Einfluß, den der Kapitalismus selbst auf die Ent-wicklung des kapitalistischen Geistes ausgeübt hat, in seiner Be-sonderheit nachzuweisen, soll nun die Aufgabe dieses Kapitelsnoch sein.

Mit dem Fortschreiten der kapitalistischen Entwicklung wirdetwas erzeugt, das sich von den sonst produzierten Waren undDiensten dadurch vorteilhaft unterscheidet, daß es nicht vergeht,sondern sich von Generation zu Generation zu großen Massenanhäuft: Erfahrungen. Dank einer Reihe von Amständen, vondenen wir mehrere kennen gelernt haben, sind Mittel ausfindiggemacht, diese Erfahrungen von der einzelnen Unternehmung ab-zuziehen, zu sammeln und als objektivierten Besitz zu erhaltenund zu überliefern. Dieser ungeheure Erfahrungsstoff hat es er-möglicht, den ökonomischenRationalismus zur höchstenVollendung zu bringen, wenn er benutzt wird. Daß er abertatsächlich Anwendung findet, daß der nachgeborene Unternehmersich tatsächlich die Erfahrungen der voraufgegangenen Geschlechterzunutze macht, dafür trägt Sorge zunächst die Zwangslage, indie das kapitalistische Wirtschaftssubjekt durch die Notwendig-