Achtundzwanzigstes Kapitel: Der Kapitalismus selbst 449
Unternehmers ist. Sondern weil es sich durch die kapitalistischen Zusammenhänge dem einzelnen Unternehmer als objektiv zwingendeMacht gegenüber stellt. Ich habe die Entstehung dieses Zwangs-Verhältnisses die Objektivierung des Gewinnstrebensgenannt und habe gezeigt^), wie diese notwendig dadurch ein-tritt, daß alle erfolgreiche kapitalistische Wirtschaft Überschuß-Wirtschaft ist. Was auch der Unternehmer persönlich bezweckenmöge: ob selbst in erster Linie den Gelderwerb, ob irgend etwasanderes: wie Machterweiterung, Betätigung seiner Kräfte, sozialeWohltaten: immer muß sein Unternehmen zu einem gewinn-bringenden gestaltet werden, immer muß er also Profit machenwollen, wie ich das oben Seite 217 ff. dargelegt habe.
In dieser erzwungenen Ausrichtung aller kapitalistischen Tätig-keit liegt die psychologische Möglichkeit des Anendlichkeitsstrebenseingeschlossen, dessen Verwirklichungsmöglichkeit wir in der Eigen-art der modernen technischen Entwicklung begründet fanden.Daß nun diese Möglichkeit auch Wirklichkeit wurde,dafür sorgen eine Reihe von Umständen, von denen wir einenschon kennen: wir stellten fest, daß nach einem psychologischenGesetz die Vermehrung des Reichtums den Drang nach immerweiterer Vermehrung aus sich heraus erzeugt.
Ein anderes psychologisches Gesetz, das wir dann sich be-tätigen sehen, ist dieses: daß mit dem Wachsen des Aufgaben-kreises (eine bestimmte Masse seelischer Energie vorausgesetzt)die Fähigkeiten und der Wille zu einer stärkeren Betätigungwachsen. Das ist, was schon in den Frühzeiten des Kapitalismusseinen Lobrednern zum Bewußtsein gekommen war, wenn zumBeispiel Alberti einmal sagt: daß in dem Unternehmer mitder Ausdehnung der Geschäfte Betriebsamkeit und Tätigkeitwachsen, wodurch sich die Gewinne von selbst vermehren ^).
Nun bringt die entscheidende Wendung aber doch etwasanderes hervor, das wir beinahe wiederum als einen Objekti-
Somvart, Der Bourgeois 29