459 Dritter Abschnitt: Die sozialen Amstände
Vierungsvorgang bezeichnen können: auch das Streben des ein-zelnen Wirtschaftssubjektes nach Unendlichkeit seines Wirkenswird diesem durch die Gewalt der Tatsachen aufgezwungen,just wie vorhin das Gewinnstreben. Wir fanden bei der Analyseder Psyche des modernen Wirtschaftsmenschen (siehe Seite 219 f.)die Entschließungen des Unternehmens einer Art von psychischemZwange unterstellt. Nun sind wir dem Ursprünge dieses Zwangs-Verhältnisses auf der Spur. Von zwei Seiten her wird inner-halb der kapitalistischen Wirtschaft der Zwang ausgeübt: vonder Seite der Technik und von der Seite der wirtschaftlichenOrganisation selbst.
Die moderne Technik wird, wie wir wissen, gekennzeichnetdadurch, daß sie alle natürlichen Schranken durchbricht, damitaber auch alle natürlichen Ausmaße bei ihrer Anwendung überden Kaufen wirft. Will der Unternehmer mit den Erfindungender Technik Schritt halten (und daß er das wollen muß, dafürsorgt wiederum das Zwangsgesetz der Konkurrenz und desProfitmachers), so muß er auf unausgesetzte Ausweitung seinesBetriebsumfanges bedacht sein. Es ist ein in der modernenTechnik begründetes „Gesetz", daß jede neue Errungenschaftnur ausnutzbar wird, wenn die Masse der zur Bewältigungeiner Aufgabe zusammengefaßten Produktionsmittel entsprechendvergrößert wird, wodurch natürlich auch der Umfang des Be-triebes und mit diesem wieder der Umfang der Unternehmungausgeweitet wird. Für das (dem Amfang nach) größte Unter-nehmen, das wir kennen: die Stahlwerke von Pittsburg, hatuns sein Begründer selber mit dürren Worten diese aus denFortschritten der Technik sich ergebende Zwangslage als denGrund der unausgesetzten Vergrößerung angegeben. „Immerhoffen wir," sagt Carnegie^"), dessen bereits angeführteWorte wir jetzt erst verstehen, „daß wir uns nicht noch weiterauszudehnen brauchen, stets aber finden wir wieder, daß ein