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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Schluß

Neunundzwanzigstes Kapitel: Rückblick und

Ausblick

Ich kann mir denken, daß der Eindruck, den dieses Buchauf viele Leser macht, wenn sie es bis hierher durchgearbeitethaben, ein quälender ist. Das viele neue Material, die vielenneuen Gesichtspunkte und Fragestellungen, unter denen diesesMaterial verarbeitet worden ist, müssen zunächst ein Gefühlder Anruhe und Anbehaglichkeit erzeugen, das immer quälendist. Anruhig bei der Erörterung wissenschaftlicher Problemewerden wir immer, wenn wir gleichsam den Grund unter denFüßen zu verlieren scheinen, und das tun wir in dem Augen-blick, in dem uns eine bequeme Formel, unter die wir dieMannigfaltigkeit der Erscheinungen geordnet hatten, weg-genommen, entwertet wird. Dann glauben wir zunächst indem Stoffe ertrinken zu müssen, bis wir irgendwo wieder festenFuß fassen oder schwimmen lernen.

Mit den das Wesen und die Genesis des kapitalistischen Geistes erklärenden Formeln hat nun freilich dieses Buch gründ-lich aufgeräumt. Ganz zu schweigen von den simplifizierendenSchlagworten, die in der sozialistischen Literatur das KapitelvomBourgeois" erfüllen: auch so geistreiche Hypothesen, wiedie Max Webers , lassen sich nicht aufrecht erhalten. Andweil ich selbst keine Formeln an die Stelle der früheren setzenkann, so werden viele das Buch unbefriedigt aus der Äandlegen.

Ist das Buch darum wertlos? Ein geistreicher Mann hatden Ausspruch getan: nur das ist ein gutes Buch, dessen In-halt man in einem Satze angeben kann. Das kann ich nunfreilich nicht. Es sei denn, der Satz dürfte lauten: das Problem