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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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459
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Neunundzwanzigstes Kapitel: Rückblick und Ausblick 459

versucht. Der streng ökonomischen Kausalerklärung eine andereeinheitliche Deutung gegenüberzustellen, fühle ich mich außer-stande, so daß ich mich, wenn ich dem Bedürfnisse nachhierarchischer Anordnung der mannigfachen Einzelursachen gerechtwerden will, damit begnügen muß, die Gesamtheit der wirken-den Amstände zu einem einheitlichen Ganzen geschichtlichen Ge-schehens zusammenzufassen, in dem zwar einzelne der auf-geführten Arsachen über- und untergeordnet, andere wiederumnebengeordnet erscheinen. Diese nebengeordneten Arsachen sinddasjenige, was man auch als diezufälligen" Ereignisse be-zeichnen kann, die aber doch für das Zustandekommen desGesamtergebnisses nicht minder notwendig waren als die not-wendigen, das heißt die aus gegebenen Voraussetzungen mitNotwendigkeit sich ergebenden.

Das Bild, das wir dann vom Wesen und Werdendes Bourgeois erhalten, ist folgendes:

Die Grundlage aller Entwicklung, die wir als eine einmalgegebene und alles Geschehen in seiner Besonderheit letztlich be-stimmende ansehen müssen, ist die in der Veranlagung ihrereinzelnen Glieder und in ihrer Zusammensetzung einzigartigeVölkergruppe, die die europäische Geschichte seit dem Unter-gänge des römischen Reiches gemacht hat. In diesen Völkernfinden wir von ihrem Auftreten an zwei mächtig wirkende Trieb-kräfte lebendig: die Sucht nach dem Golde und den Anter-nehmungsgeist, die sich bald miteinander verbinden. Aus dieserVerbindung entstehen in der Äeimat mächtige Organe: wirt-schaftlicher und anderer Natur, entsteht vor allem auch der moderneStaat und mit ihm das wichtige Förderungsmittel des kapita-listischen Geistes: das Ketzertum, das aber zur Voraussetzungnoch eine andere Grundeigenart der europäischen Volksseele hat:ihr stark religiöses Bedürfnis.

Dieselben Triebkräfte treiben die Völker zu Eroberungen