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Vorbemerkung
Eine Literatur, die sich mit dem in diesem Buche behandeltenProbleme beschäftigt, gibt es kaum. Zu nennen sind die Kritiken,die sich mit den einschlägigen Kapiteln meines „Modernen Kapita-lismus" (1902) auseinandersetzen, und die ich gelegentlich anführenwerde. Außer mir hat nur Max Weber in seinen Aufsätzen„Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus " (imArchiv für Sozialwissenschast und Sozialpolitik Band 21 ff.) dasThema selbständig behandelt. An diese Arbeit schließen sich dannwieder eine Reihe kritischer Auslassungen.
Sonst ist jede Darstellung, wie die hier gegebene, fast ausschließlichauf die Benutzung der Quellen angewiesen. Äber deren Naturund Erkenntniswert will ich folgendes im vorhinein bemerken.
Die Quellen zur Erschließung des Geistes im Wirtschaftslebenfließen für jeden, dessen Auge erst einmal geöffnet ist für dasProblem, reichlich. Es sind auch hier unmittelbare und mittelbareErkenntnisquellen. Unmittelbare Erfahrung vom wirtschaftlichen Geistübermitteln uns die wirtschaftenden Menschen selbst durch ihreÄußerungen, die natürlich auf ihren Erkenntniswert hin zu prüfensind und aus denen — unnütz es besonders hervorzuheben — oft genugdas Gegenteil abzulesen ist von dem, was geäußert wird. Solche(1.) Selbstzeugnisse können gelegentlicher Natur sein: Gespräche,schriftliche Mitteilungen usw., oder sie sind systematisch geordnet: inSelbstbiographien, Testamenten, „Reflexionen" und Ähnlichem. Aberviel zahlreicher sind die Möglichkeiten, auf Amwegen Einblicke indie Psyche des Wirtschaftenden zu gewinnen. Diese Möglichkeitenkönnen wir also als mittelbare Erkenntnisquellen zusammenfassen.Hier kommen in Betracht:
2. Die „Werke" der Wirtschaftenden im weitesten Sinne; indenen sich also gleichsam ihr Geist „niedergeschlagen" hat. Ich denkean allgemeine Organisationen, die sie schaffen: Dorfanlagen, Fabrik-betriebe, Verkehrsunternehmungen; an technische Werke: Einrichtungvon Werkstätten, Gestaltung der Arbeitsmittel, Anlage von Eisen-bahnen, von Bewässerungen, von Kanälen und Häfen usw.; anbesondere Einrichtungen zur Durchführung wirtschaftlicher Zwecke:das Rechnungswesen, Wohlfahrtseinrichtungen; an das Tempo der
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