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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Quellenbelege

Entwicklung, an den Rhythmus des Wirtschaftslebens: rasche Neu-gestaltung, rasche Ausdehnung des Wirtschaftskörpers und Ähnlichesmehr.

3. Rechtsnormen: Bestimmungen über das Recht der freienSelbstbestimmung, über Konkurrenz, über Reklame, über Preisbildung,über Zinsnehmen usw. usw.

4. Sittenlehren: religiösen oder weltlichen Ursprungs. Zu ihnenkann man auch zählen alle kritischen Äußerungen: Satiren, Kampfes-schristen, Reformvorschläge usw.

5. Zeitspiegelungen: in der öffentlichen Meinung: z. B. Geltungder verschiedenen Berufe (Handel I) bei der Gesamtheit oder inner-halb bestimmter Klassen (Stellung des Adels zum Erwerb!); inLiteratur, Kunst und Wissenschaft: Darstellung von Typen, Art-beschaffenheit der beliebtenRichtungen".

6. Soziale Stellung der einzelnen Gruppen der Bevölkerungzueinander: friedliches Zusammenleben, feindliche Haltung (etwa derArbeiter zu den Unternehmern), patriarchalische Beziehung, geschäft-liche Regelung.

7. Die Gestaltung der Politik, in der die Wirtschaftsgesinnungder einzelnen sich ausstrahlt: Machtpolitik oder Freihandel unddergleichen.

Daß der Erkenntniswert der aus diesen Quellen zu entnehmendenZeugnisse ein sehr verschiedener ist, leuchtet ohne weiteres ein.

Die Selbstzeugnisse (1.) sind vor allem sehr selten und schondeshalb nicht sehr ergiebig. Sie können freilich unter Amständenvon ganz großer Bedeutung für das richtige Verstehen eines Zu-standes werden. Meist muß man freilich zwischen den Zeilen lesen.Das gilt insbesondere bei allen systematischen Äußerungen der ge-dachten Art. In den Selbstbiographien oder Memoiren etwa hervor-ragender Wirtschastsmenschen (deren es namentlich in unserer Zeiteine ganze Reihe gibt) stellen sich die Verfasser natürlich immer alsganz selbstlose, nur dem Gemeinwohl dienende Menschen hin, denenGeldverdienen ganz fern gelegen hat (was man ihnen sogar manch-mal glauben darf, wenn es sich um Reichtumsübersättigte handelt, umLeute wie Rockefeller, Carnegie, W. v. Siemens, W. Rathenau , vondenen wir Memoiren besitzen). Manche sind auch ehrlich gegen sichselbst, und die geben uns natürlich die besten Aufschlüsse. Ich denke an