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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Geleitwort.

Es ist gewifs richtig, wenn Ferdinand Lassalle in derVorrede zu seinemSystem der erworbenen Rechte bemerkt, dafsjede Vorrede für den Autor eine Nachrede sei,und es eben keingünstiges Zeichen für das Werk selbst ist, wenn diese Nachredeüber das Verhältnis des Werkes zur Wissenschaft dem Leser voll-ständig und durchsichtig ist, ohne dafs er das Werk kennt. Dennes wäre dann hierdurch jedenfalls schon der Beweis gegeben, dafsdurch das Werk in dem inneren Bau der Wissenschaft nichts vonBedeutung geändert ist. Auch die Socialphilosophie bildet natur-gemäfs den Abschlufs eines socialen Systems, nicht seine Einleitung.Das sollten vor allem auch jene selbstbewufsten Leute bedenken,die uns in der letzten Zeit mit ihren guten Ratschlägen bedachthaben, wie man am besten sociale Theorie treibe, warum dieseoder jene Art (z. B. die Marxsche) falsch sei, was gebessertwerden müsse u. s. w. Sie kommen mir vor wie geschwätzigeKöche, die die Vorzüglichkeit ihrer Rezepte anpreisen, währendwir Hunger haben und gern gut speisen möchten, ganz gleich nachwelchem Rezept.

Aber es giebt Zwangslagen.

Kann ein Autor nicht gleichzeitig mit seiner systematischenDarstellung auch die philosophischen Erörterungen des Gegenstandesder Leserwelt bekannt machen, und beginnt das Werk zu er-scheinen in einer Zeit, die, wie die gegenwärtige, in jeder Fibervon einer kritischen Nervosität durchzittert ist, so hiefse es unver-antwortlich handeln, wollte man nicht von vornherein wenigstensin einigen Apergus den Leser mit dem Standpunkt vertraut machen,von dem aus man die Dinge gesehen hat. Ein kleines Privatissimumüber Mittel und Wege der Forschung gleich im Anfang eines um-