Geleitwort.
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mär wirkenden Ursachen oder treibenden Kräften des socialenLebens nicht hinausgehen, giebt es viele. Als die wichtigstendürften die folgenden anzusehen sein:
1. Wollten wir irgend welche (äufsere) Verursachung mensch-licher Seelenvorgänge als tiefere Ursache socialer Erscheinungenansprechen (was sicher im Bereich der Möglichkeit liegt), etwa einebestimmte technische Erfindung, so würden wir zu.einem un-begrenzten Regressus gezwungen werden, der sein Ende erst bei derEinsicht in die Bewegung der kleinsten Teile und der Gesetze,welche diese regeln (Simmel), finden könnte.
2. Auch von diesem Ubelstand abgesehen, stiefsen wir beiunserem Bestreben, eine lückenlose Kausalkette herzustellen, sobaldwir auf die das menschliche Seelenleben erst bestimmenden Fak-toren zurückgehen wollten, stets auf die noch nicht überbrückteKluft der psychologischen Verursachung, die eine andere als diemechanische Kausalität ist.
3. Gingen wir des unschätzbaren Vorteils verlustig, von be-kannten Kräften (den in der unmittelbaren Erfahrung gegebenenMotiven menschlichen Handelns) zu unbekannten Kräften als be-wirkende Ursachen zurückzugehen. Als welches alles elementareFeststellungen sind, die mir der philosophisch geschulte Leser ver-zeihen möge.
Es empfiehlt sich daher, für die Erklärung der socialen Er-scheinungswelt als pi’imär wirkende Ursachen oder treibendeKräfte menschliches Handeln bezw. die Motive oder Zweckreihen,unter denen es erfolgt, anzusehen.
Ist es nun aber verhältnismäfsig leicht, sich über die soebenfestgestellten Punkte zu einigen, so bietet gröfsere Schwierigkeitendie Verständigung über die Art und Weise, wie die Zurückführungsocialen Geschehens auf die Motivreihen der handelnden Menschenals auf die primär wirkenden Ursachen zu erfolgen habe. Wirstofsen hierbei auf einen Konflikt, der auf den ersten Blick unlös-bar erscheint. Offenbar nämlich führt uns eine verfeinerte psycho-logische Analyse der wirtschaftlichen Vorgänge zu der Erkenntnis,dafs, wie in allem socialen Leben, so auch im Wirtschaftsleben diewirkenden Triebkräfte so zahlreich sind, wie die Nuancierungen,die das Seelenleben des Menschen aufweist. Das idealste wie dasschmutzigste Motiv kann zur Veranlassung einer wirtschaftlichenVornahme werden, und auf tausendfache Motivation ist ohne Zweifeldas historische Wirtschaftsleben des Menschen zurückzuführen.Diese Einsicht hat die feinsten Köpfe in unserer Wissenschaft dazu
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