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Geleitwort.
Raume, ist ein Unding, ist einfach logisch falsch gedacht. In dieserAuffassung glaube ich mich mit Stammler zu begegnen.
Wenn ich also beispielsweise den kapitalistischen Geist alstreibende Kraft des modernen Wirtschaftslebens anspreche und ihnin seiner Wirksamkeit verfolgen will, so mufs ich zu allererst inRücksicht ziehen, dafs er sich zu entfalten begann in einer so eigen-artig gestalteten Welt, wie es das europäische Mittelalter war, d. h. ineiner bestimmten Natur, unter bestimmten Rassen, mit einem be-stimmten Ausmafs technischen Könnens, auf einem bestimmtenNiveau geistiger Kultur, im Rahmen einer bestimmten Rechts- undSittenordnung, dafs er also weltenverschiedene Wirkungen hätte er-zeugen können, wären diese Voraussetzungen seiner Bethätigung inanderer Form erfüllt gewesen. Es giebt danach wohl eine Theoriedes modernen Kapitalismus, nimmermehr aber eine solche desKapitalismus schlechthin.
Dafs aber endlich eine ökonomische Theorie in dem hier um-schriebenen Sinne immer sich zu einer Theorie der wirtschaft-lichen Entwicklung auswachsen mufs, wenn sie ihre letztenZiele verfolgt, ist nach dem Gesagten wohl ohne weiteres ver-ständlich. Denn da ja eine der Hauptaufgaben unseres Theoretikersin der ursächlichen Erklärung objektiver Thatbestände des Wirt-schaftslebens bestehen soll, so führt ihn seine Untersuchung mitNotwendigkeit auch zeitlich stets von einem Phänomen der Gegen-wart zu einem Phänomen der Vergangenheit zurück. Als mitwelcher Feststellung der erste Versuch einer theoretischen Be-gründung historischer Betrachtungsweise im Gebiete der National-ökonomie unternommen wäre. Dabei ist dann nur noch zu be-merken, dafs rein begriffliche oder im engeren Sinne systematischeUntersuchungen als vorbereitende Thätigkeiten sehr wohl ihre Be-rechtigung haben. Aber man soll endlich aufhören, uns diskursiveErörterungen über Wert, Preis, Grundrente, Arbeit, Kapitalzinsund was weifs ich, was sonst in unseren Kompendien steht, alsW irtschaftstheorien anzupreisen. Sie gehören in ein Sonderkapitalder Nationalökonomie, das man als ökonomische Propädeutikbezeichnen könnte. In der eigentlichen theoretischen Darstellungbedeutet es einfach eine Unbeholfenheit des Autors, wenn er denLeser merken läfst, dafs er sich für seine wissenschaftliche Unter-suchung vorher ein Handwerkszeug geeigneter Begriffe hat zurecht-machen müssen. Ich selbst betrachte es als eine wesentlicheästhetische Beeinträchtigung meines Werkes, dafs ich ihm in derEinleitung zum ersten Bande eine allzu gründliche Analyse der