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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Geleitwort.

eingezogen worden ist, zeigt, wie ich hoffe, der erste Abschnitt deszweiten Buches im zweiten Bande zur Genüge deutlich. Aberandere Seiten der agrarischen Produktionssphäre weisen doch soviel Widerstandskraft gegen die Einflüsse kapitalistischen Wesensund damit so viel Lokalfarbe in ihrer Gestaltung auf, dafs es un-verantwortlich wäre, sie nicht einer gesonderten Betrachtungsweise(unter dem Gesichtspunkt der Besonderheit) zu unterziehen. Was r

ich im nächstfolgenden Bande dieses Werkes thun zu können hoffe.

Aber es ist augenscheinlich, dafs man das Verständnis für die Be-sonderheit der Entwicklung erst zu gewinnen vermag, nachdemman das Wesen dieser selbst in ihren übereinstimmenden Zügenerkannt hat, wie es in den vorliegenden Bänden darzustellen ver-sucht wird.

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Es ist eine eigentümliche Erscheinung: früher, die Autoren,wenn sie ein Buch, dem sie ein Stück eigenen Lebens einverleibthatten, in die Welt hinaussandten, gedachten vor allem der andern:der Mithelfer, der Leser, der Kritiker; verbeugten sich hierhinund lächelten verbindlich dorthin. Wir heute denken geradein dieser Trennungsstunde nur an uns und unser Werk. Helfer *

haben wir keine, und Leser und Kritiker sind uns gleich-gültig. Wir haben nur eine positive Schmerzempfindung dar-über, dafs wir nun diesen Teil von uns, in dem unser bestesKönnen aus vielen Jahren sich verkörpert hat,der unbekanntenMenge preisgeben sollen. Es ist ein Abschied fürs Leben. DasBuch war uns wie eine zweite Welt gewesen,auf die unsereSeele ausstieg, indes sie den Körper den Stöfsen der Erde liefs.

Nun ist es für uns verloren. Und doch drängt es uns, das Werkvon uns abzustofsen: wir würden sonst an seinem Besitz zu Grundegehen. Zu trösten vermag uns hier wie in so vielen Fällen nurdas Bewufstsein, dafs auch in den Beziehungen zwischen dem Autorund seinem Werke nicht zuletzt diejenigen Handlungen notwendigsich vollziehen müssen, die nicht zu unserm Glücke führen.

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Breslau , Weihnachten 1901.

Werner Sombart.