Erstes Kapitel. Wirtschaft und Betrieb.
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Wirtschaften, die mehrere Betriebe umfassen:
Eine Hauswirtschaft enthält mindestens landwirtschaftlichen undgewerblichen Betrieb;
Ein Herrenhof (Fronhof, oty.og) umschliefst meist eine ganze An-zahl von Betrieben, als Landwirtschaft auf dem Salland,Landwirtschaftsbeti’iebe der pflichtigen Bauern, Müllerei,Brauerei, gewerbliche Thätigkeit der Frauen, Schmiederei-betriebe etc.
Eine kapitalistische Unternehmung kann zahlreiche Betriebs-einheiten bei hausindustrieller Organisation, im Filialsystembei Handelsunternehmungen etc. umschliefsen, aber auch beigrofsindustrieller Betriebsanordnung mehrere Werke, Ab-teilungen eines Etablissements, die als selbständige Betriebeanzusehen sind.
Eine Genossenschaft (Konsumverein!) hat häufig verschiedeneBetriebe: Bäckerei, Fleischerei etc.
Betriebe, die mehreren Wirtschaften angehören,sind seltener, kommen aber doch vor. Ich denke z. B. an die Zunft-einrichtungen des Mittelalters: die Schleifereien, Tuchrollen, Mang-und Färbehäuser, an die Walkmühlen und Wollküchen, die vonsämtlichen Handwerkern genützt wurden; auch die Spinnstubekann man hierher rechnen und wohl auch die mittelalterliche Organi-sation der Saline 1 ; ich denke an Lohnschneidereien, wenn sie voneiner Anzahl Tischlern eingerichtet für diese thätig sind; an Zwischen-meisterwerkstätten, die für mehrere Verleger arbeiten u. dgl.
Von wie entscheidender Bedeutung nun aber unsere Einteilungfür die Beurteilung wirtschaftlicher Zusammenhänge ist, möge dieeine Thatsache erweisen, dafs eine bestimmte Betriebsform — sagedie Fabrik — ganz verschieden zu werten ist, je nachdem sie bei-spielsweise kapitalistischen oder gemeinwirtschaftlichen Zwecken dient,dafs man also gar nicht von der Leistungsfähigkeit einer bestimmtenBetriebsform spricht, wenn man etwa die Arbeitsresultate einer kapi-talistisch geleiteten Fabrik ins Auge fafst — z. B. Lieferung vonSchleuderware — sondern es vielmehr dabei mit den verschiedenenZwecksetzungen verschiedener Wirtschaftsformen zu thun hat.
Und ach! wie häufig sind Verwechslungen solcher Art beispiels-weise zwischen Handwerk und Kleinbetrieb, zwischen Grofsbetriebund kapitalistischer Unternehmung!
1 Vgl. über diese Gust. Schmoller, Die geschichtliche Entwicklungder Unternehmung VIII, in seinem Jahrbuch XV (1891), 651 ff.