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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Kapitel. Betrieb und Betriebsformen.

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maschinellen oder automatischen Betriebes ist ebenso realisierbar indem kleinsten wie im gröfsten Betriebe. Es giebt keinen reinerenMaschinenbetrieb als den derarmen Nähterin oder des Idaus-webers im Eulengebirge und auch die mechanische Kraft wird heut-zutage in 1 it Pferdestärken ebenso sehr von dem Zwergbetrieblerbenutzt wie von dem Riesenbetriebe. Offenbar sind wir aber umkeinen Schritt in der Betriebssystematik gefördert, wenn wir dieWeifszeugnäherin und Krupp zusammengeworfen und in Gegensatzgebracht haben zu unserem Schuster und der Pariser Gobelinmanu-faktur blofs deshalb, weil jenes maschinelle, dieses keine maschi-nellen Betriebe sind 1 .

Was sich aus diesen Betrachtungen jedenfalls als zwingend er-giebt, ist die Erkenntnis, dafs eine glückliche Betriebssystematik diebeiden für die Betriebsgestaltung, wie wir sehen, entscheidendenMerkmale: Gröfse und Verfahren gleichmäfsig als Einteilungsprincipberücksichtigen mufs. Will sie das nun nicht in der gedankenlosen

1 Es mag hier im Vorübergehen darauf hiugewiesen werden, dafs dieErgebnisse unserer Untersuchung für die Beantwortung der von der sog.materialistischen Geschichtsauffassung aufgeworfenen Frage nach dem Zu-sammenhänge zwischenTechnik,Wirtschafts- undGesellschaftsordnungvon Bedeutung sind. Will man methodisch einwandsfrei jene Zusammen-hänge darlegen, so wird man sich zunächst 1. über die BegriffeTechnik,Wirtschaftsweise,sociale Ordnung u. dergl. einigen müssen. Danach wäre2. genau festzustellen, zwischen was der Zusammenhang nachgewiesen werdensoll. Nach unserer Terminologie: A. zwischen Verfahrungsweise und Betriebs-formen; B. zwischen Verfahrungsweise und Wirtschaftsformen; C. zwischenBetriebs- und Wirtschaftsformen. Endlich wäre 3. zu ermitteln, welcher Artdie Zusammenhänge gedacht sind, ob als sog. naturnotwendige, die nichtanders sein können, oder als zweckmäfsige, die vernünftigerweise von zweck-setzenden Menschen hergestellt werden u. dergl. An dieser Stelle haben wiralle diese Fragen nicht weiter zu verfolgen. Wenn wir aber in Kürze ansden Ergebnissen unserer bisherigen Untersuchungen das Facit ziehen wollen,so ist es dieses, dafs zwischen den Yerfahrungsweisen gemeinhinTechnikgenannt und den charakteristischen Merkmalen der Betriebsgestaltung einZusammenhang derart nicht besteht, dafs durchgängig bestimmte Vorfahrungs-weisen z. B. bestimmte Betriebsgröfsen erheischten und letztere nur je be-stimmten Verfahrungs weisen zugänglich wären. Dafs vielmehr ein weiterSpielraum in der Anwendungsart einer gegebenen Verfahrungsweise besteht,dafs also, um die Gesetzmäfsigkeit eines Entwicklungsganges in Richtung aufbestimmte Betriebsgestaltungen nachzuweisen, jedenfalls die blofse Existenzeines bestimmten Verfahrens nicht genügt. Der Grundgedanke dieses Buche3ist es, dieses zu erweisen und gleichzeitig diejenigen Potenzen äufzudecken,aus deren konstantem und notwendigem Wirken sich dasjenige ergiebt, waswir als sociale Gesetzmäfsigkeit anzusprechen gewöhnt sind.