Zweites Kapitel. Betrieb und Betriebsformen.
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Einzelbetrieben der modernen Hausindustrie. Die Arbeitsverrich-tung selbst nimmt danach einen aufserordentlich verschiedenenCharakter an: sie weist in einem Falle eine grofse Mannigfaltigkeitverschiedenster Vornahmen auf: dort, wo ein Arbeiter — denkenwir etwa an den Kunsthandwerker — eine ganze Folge von Form-veränderung an einem und demselben Gegenstände der Reihenach vornimmt; im anderen Falle zeichnet sie sich durch grofseEinförmigkeit aus, wenn dem einzelnen Arbeiter nur ein kleinerAnteil vom Gesamtproduktionsprozefs eines vielleicht schon ein-facheren Erzeugnisses zufällt: Blankputzen von Alfenidebestecken,etwa nach dem Vorbild der Heldin in Hirschfelds „Müttern“.Wir können dieses noch hinzufügen: nur wo die Arbeit des Allein-arbeiters — und ebendasselbe gilt für alle Formen des Individual-betriebes — eine gewisse Reichhaltigkeit der Verrichtungen auf-weist, ist sie eine der Idee jener Betriebsform angepafste. Dennweil das Wesen dieser Betriebsform darauf beruht, der Bethätigungder Persönlichkeit eines Einzelnen den nötigen Spielraum zu ver-schaffen, so kommt es auch nur zu voller Entfaltung, wenn dieIndividualität sich nun wii'klich ausleben kann. Jeder Menschen-natur entspricht nun aber nicht die Einförmigkeit, sondern die Viel-seitigkeit des Arbeitens. Es entsteht eine unnatürliche Verkümme-rung und Verkrüppelung der Individualität, wenn ihr stets dieselbeneintönigen Arbeitsverrichtungen obliegen. Was in dem gesellschaft-lichen Betriebe zu einer höheren Einheit wieder zusammengefafstwird, in der jener Widerspruch sich auflöst: die Teilverrichtungdes Individuums: das erscheint in dem übermäfsig specialisiertenund darum einförmigen Individualbetriebe als eine Abart, wenn wirso sagen dürfen, der natürlichen Entwicklung: es ist der Prozefsder Vergesellschaftung gleichsam auf halbem Wege stehen geblieben.Oder hegelsch gesprochen: die individuelle Arbeit hat ihre Anti-these — in der die Individualität verneinenden, aufhebenden Special-arbeit — erhalten, aber es fehlt noch die Negation dieser Negation,die Synthese zu der höheren Einheit — in unserem Falle dem Ge-samtarbeiter des gesellschaftlichen Betriebes.
Dafs der Alleinbetrieb Maschinenbetrieb oder Werkzeugbetrieb,mechanischer oder Handbetrieb sein kann, mag im Vorübergehenerwähnt werden: von grundsätzlicher Bedeutung ist es nicht. Be-kannte Fälle des maschinellen Alleinbetriebes sind die schon er-wähnten des, Hauswebers und der Schneiderin, die in den ver-schiedensten Produktionssystemen eine stereotype Erscheinung sind.
Nun ist aber der Alleinbetrieb, wie schon hervorgehoben wurde,