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Einleitung. Die Organisation der wirtschaftlichen Arbeit.
keineswegs die einzige, ja nicht einmal die wichtigste Form, in derder Individualbetrieb erscheint. Häufig finden wir ihn erweitert zum
2. Familienbetrieb.
Die eigentliche Sphäre dieser Betriebsform ist die Landwirtschaft.Hier spielt sie eine entscheidende Rolle und bestimmt so recht die Eigen-art der landwirtschaftlichen Produktion: sie mag als Einzelfamilien-betrieb für das Kleinbauerntum, als Grofsfamilienbetrieb für das Grofs-bauerntum die charakteristische Betriebsform abgeben. Der Grund,weshalb in der Sphäre der landwirtschaftlichen Produktion derFamilienbetrieb so sehr viel bedeutsamer als in irgend einem anderenZweige des Wirtschaftslebens ist, liegt in dem Umstande, dafs inder Landwirtschaft Produktions- und Konsumtionswirtschaft sowohlnach Umfang wie Inhalt von Natur viel enger miteinander ver-knüpft sind, so dafs das Departement der Frau — die Konsumtions-wirtschaft — nicht eine so völlig von dem Arbeitsgebiete desMannes — der Produktionswirtschaft — geschiedene Wirkenssphärebildet, wie beispielsweise bei dem gewerblichen Produzenten. Hiermufs doch stets eine künstliche Einbeziehung der Familiengliederin den Arbeitsbetrieb des Familienoberhauptes erfolgen.
Die bekanntesten und wichtigsten Beispiele gewerblicherFamilienbetriebe, die natürlich auch für alle hausgewerbliche Eigen-produktion die Regel bilden, liefern in neuester Zeit die in ihrenletzten Resten in Westeuropa noch erhaltenen, in Osteuropa dagegennoch in Blüte stehenden ländlichen Hausindustrien, die ja zumeistin organischer Verbindung mit der Bauernwirtschaft erwachsen sind:so vor allem die Weberei 1 , wo der Mann webt, die Frau schertund die Kinder spulen; teilweise die Wirkerei und Strickerei inSachsen, im Vorarlberg und in der Schweiz 2 ; die Spielwaren-industrie Thüringens 3 ; die Instrumentenmacherei des sächsischenVoigtlandes 4 .
1 Vgl. für den Niederrhein A. Thun, a. a. 0. Bd. I; für SachsenL. Bein, Die Industrie des sächs. Voigtlandes. Bd. II. 1884; für Schlesien A. Glücksmann, Die Weberei im Eulengebirge (Schriften d. V. f. S.-P.Bd. 84).
2 Vgl. aus der reichhaltigen Litteratur über diese Industrie namentlichG. A. Laurent, Die Stickereiindustrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs.Bas. Diss. 1891.
3 Vgl. Em. Sax, Die Hausindustrie in Thüringen . 1884 , 85.
4 L. Bein, Die Industrie des sächs. Voigtlandes. Bd. I. 1884.