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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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32 Einleitung. Die Organisation der wirtschaftlichen Arbeit.

im eigentlichen Sinne ist der Betrieb des Schmiedes, meistens miteinem Schmiedegesellen, der den Hammer schwingt und dem Lehr-ling, der den Blasbalg zieht, die alle drei in der That zu einem un-trennbaren Ganzen zusammenwachsen. Aber es ist doch unsermEmpfinden angemessen, den Meister Heinrich von drei Zwergenbei seiner Schmiedearbeit unterstützt zu sehen. Er bleibt derSchöpfer, jene sind Gehilfen! Im andern Falle, wenn nämlich dieGehilfen gleicher Arbeit, wie der Betriebsleiter obliegen, entstehtüberhaupt kein Gesamtwerk, sondern nur eine Anzahl von indi-vidualen Einzelwerken der in einem Betriebe vereinigten Personen.Das ganze Arbeitspensum eines solchen Betriebes wird nach Gut-dünken des Betriebsleiters zwischen ihm und seine Gehilfen ent-sprechend der Leistungsfähigkeit der einzelnen verteilt. Zuweilen,aber nicht als Regel, findet die Verteilung der Arbeiten in derWeise statt, dafs die aufeinanderfolgenden Stücke des Gesamt-arbeitsprozesses verschiedenen Arbeitern zugewiesen werden. DieseForm eines Gehilfenbetriebes ist nun die eigentlich das alte Hand-werk in seinen Hauptzweigen beherrschende: Schneiderei, Kürschnerei,Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Klempnerei, Buchbindereie tutti quanti sind in der angedeuteten Weise organisiert gewesen,solange sie in den alten Traditionen sich erhielten: mäfsig speciali-sierte, daher ziemlich mannigfache, eine Durchschnittsindividualitätauf nicht sehr hoher Entwicklungsstufe ausfüllende, kollegialischmehr als gesellschaftlich ausgeübte Thätigkeit mit einfachen Werk-zeugen und überhaupt klein dimensionierten Produktionsmitteln,selbstverständlich rein empirisch gestaltet: das etwa sind die

charakteristischen Züge der Betriebsform, die, wie wir noch genauererkennen werden, in der handwerksmäfsigen Produktion vorherrschendgewesen ist.

Rein quantitativ zunächst sind nun von den bisher betrachtetenBetiiebsformen unterschieden diejenigen, die wir unter der Be-zeichnungÜbergangsbetriebe zusammengefafst haben, weilsie zwar entweder auf grofser Stufenleiter, aber ohne das Momentder Vergesellschaftung oder gesellschaftlich, aber im kleinen be-trieben werden.

4. Erweiterter Gehilfenbetrieb.

Er entsteht durch blofse Addierung der in einem Gehilfen-betrieb entweder gruppenweise oder einzeln thätigen Arbeitskräfte.Eine Schmiedewerkstatt mit mehr als einem Schmiedefeuer, eineTischlerwerkstatt mit mehreren Hobelbänken, eine Schlosserei mit