Zweites Kapitel. Betrieb und Betriebsformen.
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schaftliche Grofsbetriebe aber ohne starke Verwendung von Arbeits-maschinen und ohne Anwendung des Dampfes existierten. Nochtäglich aber könnten wir wahrnehmen, dafs ein Industriezweig sichin jenem Stadium halbvollzogener Entwicklung befände, wie wirjeden Tag beobachten könnten, dafs Industrien aus der manufaktur-mäfsigen in die fabrikmäfsige Organisation übergingen. Beides sindunzweifelhaft richtig beobachtete Thatsachen : sowohl jener vor-wiegend manufakturmäfsige Charakter einer ganzen Geschichts-periode wie auch die noch heute sich stetig vollziehende Umwand-lung von Manufakturen in Fabriken. Beispiele für die erstereThatsache sind wichtige grofse Industrien wie die Weberei mitihren Hilfsverrichtungen, zahlreiche Eisen verarbeitende Industrien,u. s. w.; Beispiele für letztere Thatsache sind in unserer Zeit etwadie Schuhwarenindustrie, einige Zweige der Wäschekonfektion u. a.
Trotzdem ist es falsch, hier ein allgemein gültiges „Entwicklungs-gesetz“ aufstellen zu wollen, wonach der Prozefs der Vergesell-schaftung individualer Betriebe sich stets in der Weise vollzöge,dafs er das Stadium der Manufaktur durchliefe und im Zustandeder Fabrik endigte 1 . Das wäre eine doppelt falsche Annahme.Erstens nämlich braucht ein fabrikmäfsiger Betrieb keineswegsimmer vorher eine manufakturmäfsige Organisation gehabt zu haben.Sehr viele mechanische und die meisten chemischen Fabriken sindhierfür als Belege anzuführen. Zweitens ist es aber nicht richtig, dafsdie Manufaktur gegenüber der Fabrik stets eine unvollkommeneEntwicklungsstufe darstelle. Beide Betriebsformen können vielmehrdurchaus gleichwertig nebeneinander bestehen, so dafs also die Ent-wicklung zwei Höhepunkte haben kann: Fabrik und Manufaktur.Der Stammbaum der gesellschaftlichen Grofsbetriebe sieht demnachso aus:
Fabrik
Manufaktur
Fabrik
faktur
Manu
Individualbetrieb
1 Marx spricht von einem „geschichtlichen Entwicklungsgang der grofsenIndustrie, auf deren Hintergrund die überlieferte Gestalt von Manufaktur,