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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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60 Einleitung. Die Organisation der wirtschaftlichen Arbeit.

Teil des Gesamtbedarfs wird vielmehr noch innerhalb derselbenWirtschaft erzeugt, in der er konsumiert wird, so dafs die Ver-unselbständigung der einzelnen Wirtschaft noch keine absolute ist;das Füreinanderproduzieren der verschiedenen Wirtschaften abererfolgt noch grofsenteils im Rahmen der alten Gemeinschaftsformen,die auch für die interlokalen Beziehungen noch mafs- und richtung-gebend bleiben.

III. Die Stufe der Gesellschafts Wirtschaft im eigent-lichen Sinne, der Gesellschaftswirtschaft höherer Ord-nung endlich ist diejenige, auf welcher die Differenzierung derProduktionswirtschaften und ihre Verschlingung zu einem untrenn-baren Ganzen vollkommen geworden ist und einen solchen Grad inquantitativer wie räumlicher Beziehung erreicht hat, dafs neben undüber den alten Gemeinschaften neue Formen für die Verknüpfungder einzelnen Produktionswirtschaften künstlich geschaffen werdenmüssen, also dafs an Stelle der einstigen Organismen ein Mechanis-mus des Wirtschaftslebens tritt h

Mehr läfst sich über die verschiedenen Wirtschaftsweisen nunaber nicht aussagen, wenn wir lediglich das Moment der gröfserenoder geringeren Vergesellschaftung zur Charakterisierung in Betrachtziehen; und das ist nicht viel. Es sind gleichsam nur die Konturenzu den Bildern, die nun eigentlich erst hineingezeichnet werdensollen. Was aber ists, das dem Wirtschaftsleben im Rahmen dereinzelnen Wirtschaftsstufe das unterschiedliche Kolorit, die charak-teristische Form verleiht? Es ist unzweifelhaft das Wirtschafts-system, das jeweils vorherrscht. In ihm tritt erst das gleichsamschöpferische Element des wirtschaftenden Menschen hervor. DieWirtschaftsstufe, d. h. eben den Grad der Vergesellschaftung über-kommt er als eine objektive Thatsache, wie das Ausmafs seinerproduktiven Kräfte: die Ordnung der wirtschaftlichen Beziehungen,die Belebung des Ganzen durch die Zwecksetzung im Wirtschafts-princip und seine Verwirklichung sie schafft er. Und indemer sie verschieden schafft, gestaltet er das Wirtschaftsleben zubunter Mannigfaltigkeit aus. Neben eine Systematik der Wirt-schaftsstufen gehört also nun erst recht notwendig eine solche derWirtschaftssysteme.

Unter einem Wirtschaftssysteme wollten wir eine bestimmteWirtschaftsordnung verstehen, in der bestimmte Wirtschaftsprincipienzur Verwirklichung gelangen. Man könnte danach zweifelhaft sein,

1 Im Sinne von F. Tönnies , Gemeinschaft und Gesellschaft. 1887.