Drittes Kapitel. Wirtschaftsstufen, Wirtschaftssysteme etc. (jl
ob man eine Systematik der Wirtschaftssysteme nach der Ver-schiedenheit der Wirtschaftsordnungen oder der Wirtschaftsprincipienentwerfen sollte. Eine Reihe schwerwiegender Gründe lälst michden Entscheid zu Gunsten der letzteren treffen: erstens weil dieWirtschaftsprincipien nicht jene bunte Zusammensetzung aus zahl-reichen Bestandteilen aufweisen wie die Wirtschaftsordnungen, heidenen es stets eines gewissen Willküraktes bedarf, um nun den-jenigen Punkt herauszugreifen, nach dessen Fassung ihre Ver-schiedenheit bestimmt werden soll, sondern sich in einer mehr ein-heitlichen Gestaltung darstellen, also auch leichter unterschiedenwerden können; sodann aber vor allem weil mir die Unterschied-lichkeit der Wirtschaftsprincipien, wenigstens für die Einteilungder Wirtschaftssysteme in grofse Gruppen, von aufserordentlichsterBedeutung zu sein scheint. Keine, auch noch so einschneidendeBestimmung der Wirtschaftsordnung, also der das wirtschaftlicheVerhalten der einzelnen objektiv bestimmenden Normen, ist soausschlaggebend für den ganzen Charakter einer wirtschaftlichenEpoche, ist so bestimmend für alle Einzelheiten des Wirtschafts-lebens als die eigentümliche herrschende Motivrichtung, wie sie inder Zwecksetzung für die wirtschaftliche Thätigkeit zum Ausdruckgelangt. Dies gilt aber insbesondere für jenes Wirtschaftsprincip,das alle andern an Bedeutung überragend jeweils für die gesamteProduktionsrichtung einer Zeit ausschlaggebend ist, dem somit alleübrigen Maximen des wirtschaftlichen Verhaltens sich unterordnenoder anpassen müssen. Wir können es als Hauptprincip oder alsLeitmotiv einer Wirtschaftsepoche bezeichnen. SolcherLeitmotive finden wir nun, wenn wir das gesamte Wirtschaftslebenüberblicken, das je sich auf der Erde abgespielt hat und nochheute abspielt, ja man wäre fast versucht hinzuzufügen, sich inaller Zukunft abspielen wird, zwei, die sich zu verschiedenenZeiten in der Herrschaft abgelöst haben, nach denen jeweils dieWirtschaft gestaltet worden ist. Jene selben Principien, die unsAristoteles schon mit Meisterhand skizziert hat 1 , deren Gegen-sätzlichkeit die Bufspredigten aller grofsen Mahner der neuen Zeitbetonen von Luther an bis zu Sismondi , Carlyle, Treitschke herüber.Es sind die beiden Principien, deren eines die wirtschaftliche Thätig-keit als Mittel zur Bedarfsbefriedigung betreiben heifst, währenddas andere seine Verwirklichung findet, wenn die Erzeugung desReichtums Selbstzweck wird, des Reichtums dann natürlich nicht