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Einleitung. Die Organisation der wirtschaftlichen Arbeit.
Begreiflicherweise finden wir auf den primitiven Wirtschafts-stufen selbständige Organisationen für die Produktionswirtschaftnoch nicht. Diese bildet einen integrierenden Teil der gesamtenWirtschaftsverfassung, die ihrerseits selbst wieder mit der socialenOrdnung überhaupt zusammenfällt. Die Träger der wirtschaftlichenInitiative sind somit in jenen Anfängen des WirtschaftslebensStamm, Geschlecht, Familie. Wollen wir eine Wirtschaftsform fürdiese primitiven Zustände gleichwohl namhaft machen, so könnenwir von Geschlechterwirtschaft und Famidienwirtschaftsprechen.
Ansätze zu einer selbständigen Organisation der Produktioninnerhalb des Gesamtlebens und somit Ansätze zu Produktionswirt-schaften lassen sich innerhalb der Sphäre erweiterter Eigenwirt-schaft feststellen. Als Wirtschaftsform, die diesen Wirtschafts-systemen entsprechen, können wir ansehen Oikos, Fronhofoder Villa.
Wenden wir uns dem System der Dorfwirtschaft zu, so werdenwir hier unterscheiden müssen, ob wir eine Organisation vor unshaben, bei der der Schwerpunkt noch in der Dorfgemeine oderschon in den einzelbäuerlichen Wirtschaften liegt. Danach ergebensich zwei verschiedene Wirtschaftsformen, die wir bezeichnen wollenals Gemeinde Wirtschaft und als Bauernwirtschaft.
Schon in der erweiterten Eigenwirtschaft und in der Dorfwirt-schaft kann eine berufsmäfsige Ausübung gewerblicher Thätigkeitstattfinden. Doch erst der Tausch- insbesondere der Stadtwirtschaftgehört die Schaffung selbständiger Organisationen für die gewerb-liche Produktionswirtschaft an. Es ist dies die
handwerksmäfsige Organisation,
deren Wesen das erste Buch dieses Werkes darzustellen be-stimmt ist.
Wollen wir uns aber die Wirtschaftsformen vorstellen, wie siein einer socialistischen Gemeinwirtschaft wahrscheinlich sich ge-stalten würden, so werden wir sie uns entweder (bei centralistischerOrganisation) als gemeinwirtschaftliche Anstalten, Ver-waltungen, Direktionen, oder wenn die Organisation desWirtschaftslebens mehr decentralisiert wäre, als Produktiv-genossenschaften denken müssen.
Allen bisher aufgezählten Wirtschaftsformen gemeinsam ist nunaber dies, dafs sie auf dem Bedarfsdeckungsprincip aufgebaut sind,d. h. dafs in ihnen die Produktion organisiert ist zum Zwecke,