Drittes Kapitel. Wirtschaftsstufen, Wirtschaftssysteme etc.
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einen bestimmten Bedarf an Gebrauchsgütern zu decken. Dadurchtreten sie in einen scharf, gar nicht genug zu betonenden Gegen-satz zu denjenigen Wirtschaftsformen, die den Erwerbswirtschafts-systemen entsprechen und die wir unter der gemeinsamen Bezeich-nung der
Unternehmungen
zusammenfassen wollen.
Diese einschränkende Verwendung des Wortes „Unternehmung“lediglich im Sinne der Wirtschaftsform der Erwerbswirtschaften isteine wohlüberlegte: sie soll der Eigenart des Charakters dieserWirtschaftsformen schon im Ausdruck gerecht zu werden suchen.Üblich ist, wie bekannt, diese Einschränkung nicht. Man sprichtvielmehr gewöhnlich ebenso von einer „Handwerksunternehmung“wie von einer kapitalistischen Unternehmung. Gustav Schmoller will das Wort sogar auf alle Wirtschaftsformen, die für den Aus-tausch produzieren, angewandt wissen. Mir scheint das unzulässig,weil es die Übertragung eines scharf geprägten modernen Aus-drucks auf ganz heterogene Dinge bedeutet. Mit dem Worte„Unternehmung“ bezeichnet die deutsche Sprache stets etwasWagemutiges, Spekulatives, Aleatorisches.
„Sagt, was Ihr wohl in deutschen LandenVon unserer Unternehmung hofft.“
Wie wir denn auch von einem „unternehmenden“ Menschensprechen als von jemand, der Initiative, Entschlufs, Energie besitzt.Ich meine nun, ein Teil dieses ursprünglichen Sinnes ist auf denökonomischen Ausdruck für eine bestimmte Wirtschaftsform über-gegangen und deshalb sollten wir uns hüten, ihn anzuwenden aufWirtschaftszustände, die gerade durch die Abwesenheit alles Speku-lativen charakterisiert werden, wie also beispielsweise das europäischeMittelalter. Es heifst unhistorisch verfahren, wenn man den Hand-werker einen Unternehmer nennt. Sein Wesen gipfelt darin, dafser keiner ist. Deshalb war mein Bestreben, an Stelle dösScbmollerschen Ausdrucks „Unternehmung“ den allgemeinen „Wirt-schaftsform“ zu setzen und die Unternehmung als eine bestimmteunter vielen Wirtschaftsformen zu charakterisieren, wie es im obigenandeutungsweise geschehen ist und im weiteren Verlauf diesesWerkes ausführlicher geschehen wird.
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Nun kann ich aber diese systematische Lehre von den ver-schiedenen Organisationsformen wirtschaftlicher Arbeit nicht schliefsen,