Fünftes Kapitel. Das Wesen d. liandwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. 1Q7
Die Schwertschmiede, die Schwertfeger und die Kreuz- und Knauf-schmiede waren durchaus selbständige kleine Fabrikanten (lies:Handwerker), welche aus eigenem Material ihr Halb- und Ganz-fabrikat herstellten und manchmal direkt an die Kunden, meistaber an die Reider absetzten. Diese waren sowohl kleine Fabri-kanten, welche die in arbeitsteiliger Produktion entstandenen Halb-fabrikate ankauften und zusammensetzten, als auch Kaufleute,welche Handel mit der fertigen Ware trieben; nur in den seltenenFällen, wo der Schmied seine Klinge reiden liefs, um selbst dieSchwerter zu verkaufen, waren die Reider auch Lohnarbeiter (NB. imSinne von „Lohnhandwerkern“). Die Hauptmasse der Arbeiter-schaft bestand demnach aus selbständigen Handwerks-meistern . . .“
Ein fast immer sicheres Zeichen für die Intaktheit der hand-werksmäfsigen Organisation eines Gewerbes ist die streng durch-geführte Scheidung zwischen der Zunft der gewerblichen Produ-zenten und derjenigen der Händler derselben Branche, bezw. dasVerbot für die Händler, die von ihnen gehandelte Ware selbst her-steilen zu lassen. Ein solches Verbot begegnet uns in der floren-tiner Waffenindustrie. Hier war der Zunft der Armanioli (Waffen-händler) der Betrieb des Harnisch- und Speerschmiedehandwerksstreng verboten; sie handelten durchaus nur mit eingekaufter Ware h
Mit den Waffen wetteiferten als Gegenstände interlokalen Güter-austausches und nahmen vielfach die Stelle der Schwerter, Har-nische, Kappen etc. ein, als diese durch die Entwicklung dermodernen Kriegstechnik anfingen, ihren Abnehmerkreis zu ver-lieren, andere Erzeugnisse der Metallind ustrie, besondersEisen waren: Werkzeuge, Messer, Schlösser, Stecknadeln, Näh-nadeln, Haken, Ösen und was sonst heute unter der Bezeichnung„eiserne Kurzwaren“ 1 2 3 zusammengefafst zu werden pflegt. Dafs siein gröfseren Mengen in den Handel kamen, dürfen wir aus denBestimmungen der Zolltarife des 13. bezw. 14. Jahrhunderts ent-nehmen, in denen bestimmt wird, dafs sie nach Stück, Dutzendoder Schock zur Verzollung kommen sollen 8 . Berühmt während
1 Doren, Florentiner Zünfte (1897), 42.
2 Das Mittelalter hatte dafür die Bezeichnung minuta, minuta merci-monia. Vgl. Hans. Geschichtsquellen 5 Nr. 56, 154, 374 (Einfuhrartikel nachEngland während des 13. und 14. Jahrh.). Auch unter cromerey, merserie,merc. institoria verstand man vielfach dasselbe: calibem et ferrum et alia merc.institoria. Hans. U.B. Bd. 4 Nr. 224. Vgl. Nr. 965 il).
3 Vgl. z. B. den Zolltarif für die Niederlage der Stadt Pirna bei Falke,