Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

108

Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

des Mittelalters als Erzeugungsort eiserner Kurzwaren war bekannt-lich Nürnberg ; daher für derartige Dinge ebenso wie für sog.Galanteriewaren lange bis in unsere Zeit hinein derAusdruckNürnberger Ware gebraucht zu werden pflegte * 1 .

Wer waren die Produzenten der Nürnberger Waren, insonder-heit der Erzeugnisse seiner Metallindustrie? Wir wissen, dafs schonfrühzeitig eine weitgehende Specialisierung unter den einzelnenProduktionsstätten durchgeführt war: es gab im 13. JahrhundertSchermesserer, Sensenschmiede, Gabel schmiede, Zirkelschmiede,Kettenschmiede. Dann unter den Waffenschmieden: Harnisch-

macher, Panzerhemdenmacher, Haubenschmiede, Klingenschmiede,Schwertfeger etc. Das allein würde darauf schliefsen lassen, auchwenn wir sonst keinerlei Zeugnisse hätten, die dafür sprächen, dafswir es wenigstens äufserlich mit einer durchaus handwerksmäfsigenOrganisation der Metallgewerbe zu thun haben: das Produktions-gebiet wird in voller Reinheit durch das technische Können desMeisters nach Quantum und Qualität begrenzt. Waren aber dieseHandwerksmeister als solche vielleicht nur Scheinexistenzen, warensie im Grunde verlegte Stückmeister? Dafs das Verlagssystemfrühzeitig in Nürnberg Boden fafst, unterliegt keinem Zweifel. DieUntersuchungen Schoenlanks haben seine Existenz schon im An-fang des 14. Jahrhunderts nachgewiesen 2 . Wenn wir aber das Ur-kundenmaterial durchsehen, das sich auf das Verbot oder die Rege-lung der Hausindustrie bezieht, und von dem Schoenlank einen

Zollwesen, 144. Zahlreiche Sorten von eisernen Kurzwaren in den Kramerrollenvon An kl am (1330), Goslar ( vor 1359), mitgeteilt bei Kl öden, 1. Stück S. 31 ff.

1 In Lübeck durften die Nürnberger folgende von ihren Handwerkern

angefertigten Waren in offenen Kellern verkaufen (15. Jahrhundert): Schlösser,Messer, Spiegel, hölzerne und bleierne Paternoster, Pfriemen, Blech, Waffen-handschuhe, stählerne Bügel, Flöten, messingene Spangen, Kinderglocken,zinnerne Schüsseln, Pferdezäume, Steigbügel, Sporen, Brillen, messingeneFingerhüte, bleierne Spangen, Dosen, Tafeln, Kinderbinden. Wehrmann,Einleitung S. 107. Im Handel mit Italien während des 14. und 15. Jahrh.finden wir ferner von Erzeugnissen der Nürnberger Metallindustrie: Altar-

leuchter, Schreibleuchter, Hängelampen, Messingschüsseln, Wagen, Klystier-spritzen, Kompasse, Scherbecken, Schermesser, Zirkel u. a. Schulte 1, 719.Von der Ausdehnung des Nürnberger Exports legen Zeugnis ab die überauszahlreichen Zollbefreiungen, die sich Nürnberg an verschiedenen Zoll-stätten auszuwirken wufste. Das Verzeichnis von 1332 zählt nicht wenigerals 69 Orte auf, in denen Zollbefreiungen bestanden, und zudem das ganzeKönigreich Arelat. Schulte 1, 658.

2 B. Schoenlank, Sociale Kämpfe vor dreihundert Jahren (1894) 48.Vgl. auch J. Falke, Gesell, d. deutsch . Handels 1 (1859), 125 f.