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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
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Fünftes Kapitel. Das Wesen d. liandwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. 109

grofsen Teil verwertet hat, so müssen wir zu dem Schlüsse kommen,dafs es sich bis ins 16. Jahrhundert hinein doch immer nur umAusnahmen handelt, dafs erst in dieser Epoche eine allgemeineTendenz zur kapitalistischen Organisation Platz greift.

Dafür, dafs die Erzeuger dieserNürnberger Waren im Mittel-alter Handwerker waren*, jedenfalls sein konnten, spricht auch dieThatsache , dafs die vielfach ähnliche Produkte für den grofsenMarkt herstellende sog. rheinische Kleineisenindustrie dieSolinger Messerfabrik die Remscheider Industrie und dieSchmalkaldener Industrie bis tief in die neue Zeit hinein ihrenrein handwerksmäfsigen Charakter bewahrt haben. Das Handwerkist in Solingen bis ins 16. Jahrhundert noch völlig intakt, im17. beginnt der Kampf, aber noch 1687 erfolgt formell die voll-ständige Wiederherstellung der Zunftverfassung. Die RemscheiderIndustrie dagegen findet Thun noch in den 1870er Jahren in einerwesentlich handwerksmäfsigen Organisation vor 1 2 3 . Die Schmal-kaldener Kleineisenindustrie ist während ihrer Blütezeit im16. Jahrhundert streng zünftlerisch 8 und bewahrt ihren Handwerks-charakter bis ins 18. Jahrhundert hinein 4 * .

Ein anschauliches Bild solcher märktebeziehender Handwerkeralten Schrots und Korns entwirft uns A. Thun dort, wo er dieAbsatzorganisation der bergischen Sensenindustrie schildert 6 :DieBetriebsform der Industrie war die handwerksmäfsige und ihre Ver-fassung eine höchst einfache, da die Schmiede in eigener Werk-statt das Material ohne Arbeitsteilung verarbeiteten . . . Wie stetsbeim handwerksmäfsigen Betriebe standen die Ordnung des Ab-satzes, die Festsetzung der Warenpreise und die Regelung derTechnik oben an. Um die Leitung der Produktion in die Hand zunehmen, mufste die Zunft zunächst die Lage der Konsumtionkennen. An einem bestimmten Tage wurden daher alle Schmiedeund Schleifer vor Vogt und Rat geladen, welchen sie die Lage undden Gang des Handwerks vorlegen und angeben mufsten: auf wiegrofsen Absatz wohl in den einzelnen Ländern gerechnet werdenkönnte. Nach einem Monat wurde dann mit Wissen der herzog-lichen Beamten angeordnet, wie viel und welche Sorten ein jeder

1 Vgl. zu ihrer Charakteristik auch noch J. F. Roth, Gesch. d. Nürn-berger Handels 3 (1801).

2 Thun 2, 23-30, 121 fr.

3 K. Frankenstein, Bevölkerung und Hausindustrie im Kreise Schmal-kalden . 1887. S. 48.

4 Beckmann, Beyträge zur Ökonomie, Technologie etc. 10 (1786), 148.

B Thun, 2, 109/10.