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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

Meister fabrizieren durfte, und zwar sollte dem gemeinen Schmiedeebensoviel zugeteilt werden als dem reichen. Für alle Warenwurden dann die Preise festgesetzt je nach der Konjunktur, denPreisen von Stahl, Eisen, Knechten u. s. w. Einen Tag nach St.Ewald wurden endlich die Marktreisen angeordnet, welche jederHandwerker unternehmen mufste; keiner durfte vor dem anderenverreisen oder Güter aufserhalb der Märkte verschicken. Werseine erste Reise that, sollte 15 Thlr. zahlen . . . Die daheim-bleibenden Brüder sollten ihre Waren innerhalb des Handwerksveräufsern; fanden sich aber keine Käufer, so durfte ein jeder auchaufserhalb desselben sich solche suchen und so teuer als möglich,keinesfalls aber unter den festgesetzten Preisen verkaufen.

Von anderen Handwerkserzeugnissen, die wir aufser den ge-nannten noch als Gegenstände des interlokalen Handels währenddes Mittelalters finden, mögen einige der wichtigeren nur nochkurz mit Augabe der Belegstellen registriert werden.

Holzwaren:

10. Jahrh.: Schüsseln, hölzerne Näpfe auf den deutsch -italienischen

Verkehrsstrafsen 1 .

11. Jahrh.: Fässer (dolia), vasa lignea 2 sind Handelsartikel.

12. Jahrh.: Holzwaren auf den Messen zu Enns feilgeboten 3 .

13. Jahrh.: Holzwaren einer der Einfuhrgegenstände nach England 4 5 -

14. Jahrh.: Mulden, Schaufeln, Schüsseln in Danzig gehandelt®.

15. Jahrh.: Hamburger Tonnen dürfen in Sneek (Friesland) 6 auch

aufser auf Jahrmärkten feilgeboten werden.

Leder

ist frühzeitig in den Handel gekommen; die Gerberei eines derhäufigsten Exporthandwerke: Basel im 15. Jahrh. hat 59 reicheGerbermeister mit einem Arbeitsmaximum von 360 Häuten jährlich(insgesamt 21 240 Häute, also durchaus handwerksmäfsiger Umfangder Produktion) bei ca. 10 000 Einwohnern mit 133 Schuhmachern 7 .Wir erfahren von einem Lederhandel in England während des

1 Zolltarif Gisos von Aosta bei Schulte 1, 68.

2 von Below, Entstehung des Handwerks, a. a. O. S. 152.

3 Falke, Handel 1, 77.

4 Hans. Geschichtsquellen 5, XLV.

5 Hirsch, 253.

6 Stadtbuch von 1456, vgl. Hegel, Städte und Gilden 2, 290.

7 Geering, 141.