Fünftes Kapitel. Das Wesen d. handwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. H3
14. Jahrh.: Schuster und Schneider in Bergen verkaufen ihre Er-zeugnisse über See 1 5
— Strafsburger Barette und Hosen nach Italien gehandelt 2 , Lii-
becksche nach Venedig 3 4 * 5
— in Neustadt Brandenburg werden in einer Ausstattung an-
getroffen „delremundsche Kleder“ *; ausgedehnten Handelmit Kleidern und Putz treiben die Gebr. Bonis in Montau-ban 6 , auch Viele von Geldersen handelt damit 6 .
— deutsche Hüte werden nach Mailand eingeführt 7 , sind in Basel
starke Importartikel 8 .
C. Handwerkers Wirken.
I. Der Artcharakter handwerklichen Wirkens.
Um jene Zwecke zu erreichen, die dem Streben des Hand-werkers zu Grunde liegen, setzt er nun sein ganzes Können ein.Dieses aber ist, wie wir wissen, doch immer vorwiegend eine tech-nische Fähigkeit: durch eigenhändige Arbeit also mufs er seinenZielen zuzustreben suchen. W T as seiner Hände Geschicklichkeit zuleisten, was seiner Arme Spannweite zu umschliefsen vermag, dasist die Sphäre seines Wirkens, das also als ein unmittelbarer Aus-flufs seiner Persönlichkeit erscheint. In diesem Sinne hat man das„Handwerk“ sehr treffend bezeichnet als den „Ausdruck einer zumLebensberuf ausgeprägten bestimmten Thätigkeit des Individuums,die sich sozusagen s0 weit ausdehnt, als die Kraft der ein-zelnen Hand zu herrschen und zu schaffen vermag“ 9 .
1 Hegel, a. a. 0. 1, 407.
2 Schulte 1, 706.
3 Stieda, a. a. O. S. 111. Vgl. dazu jetzt noch Hans. U.B. Bd. 4Nr. 621, 1017 (3), 1018 (8).
4 G. Sello, Brandenb. Stadtrechtsquell. (Mark. Forsch. 18 [1884], 12.)
B Le livre de compte de fröres Bonis; ed. E. Forestid. Arch. hist, de
la Gascogne, fase. 20. 23. 26. 1890—94. 20, LII ff.
6 Das Handlungsbuch Vickos von Geldersen; bearb. v. H. Nirrnheim (1895), LVIII.
7 Schulte 1, 718.
8 Geering, 233.
9 Denkschrift des Centralvereins zur Reorganisierung des Hand-werkerstandes in Breslau als Entwurf der Generalversammlung der Hand-werksgenossen Schlesiens am 19. Juni 1848 zur Prüfung und Beratung vor-gelegt vom provisorischen Komitee des Vereins ( 0 . O. 0 . J.). S. 3. DieseDenkschrift enthält auch im übrigen eine Fülle treffender und feiner Bemer-kungen.
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