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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
Dieser Idee der Arbeit als einer Bethätigung der Gesamt-persönlichkeit entspricht die dem Handwerk eigentümliche Berufs-gliederung. Da es nicht im Plane dieses Werkes liegt, auchdarzuthun, weshalb Handwerk — so wie es war oder ist — seinmufste, sondern nur zu zeigen beabsichtigt wird, wie Handwerk istund wie es sein konnte, so ist hier auch nicht den Gründennachzugehen, die zu der Berufsspecialisierung im Handwerk ge-führt haben. Es genügt, darauf hinzuweisen, dafs wir überall, wowir vom Handwerk im ökonomischen Sinne Kenntnis erhalten, einerübereinstimmenden Berufsgliederung begegnen, und dafs diese er-sichtlich einem und demselben Gedanken Rechnung trägt: dafsnämlich die Individualität eines Menschen seine Kräfte über einengewissen Kreis von Thätigkeiten erstrecken kann und soll, diedurch ein geistiges Band, durch die Idee eines Ganzen zusammen-gehalten werden; dafs eine Ausweitung dieses Kreises seine Kräftezersplittern mufs, während andererseits, wenn diese Kräfte in zu engemKreise oder wohl gar nur nach einer Richtung hin bethätigt werden,der Arbeiter in die Stumpfheit des rein mechanischen Betriebes ver-sinkt. Was gleichsam die qualitative Abgrenzung der einzelnen Hand-werke charakterisiert, während die quantitative Zuteilung des Wir-kungskreises deutlichst unter dem Einflufs des Leitsatzes von der „Nah-rung“ stets gestanden hat. Nach beiden Richtungen hin — daswollen wir festhalten — sind also für die Abgrenzung der einzelnenHandwerke subjektive, in der Persönlichkeit des Handwerkers be-gründete Momente mafsgebend gewesen. Wobei es dann völlig neben-sächlich für jede ernsthafte Betrachtung der Dinge ist, ob die Grup-pierung bezw. Berufszerlegung unter dem Gesichtspunkt des ver-arbeiteten Rohstoffs (Schlosser, Klempner) oder des zur Anwendunggebrachten Verfahrens (Drechsler, Färber), oder des Gebrauchs-zwecks (Schuster, Sattler) erfolgt ist.
Im einzelnen ist so viel Gescheites schon über die Thatsacheder handwerksmäfsigen Berufsgliederung gesagt worden, dafs —will man das Thema ihrer Begründung nicht anschneiden, das aller-dings, soviel ich sehe, bisher nur immer ganz aphoristisch behandeltworden ist 1 —■ es überflüssig scheint, eingehender darüber zu han-deln. Erinnert mag nur werden an die bedeutsame Thatsache, dafswir zu allen Zeiten als wiederkehrende Tendenz — Gesetzesjäger
1 Einzelne geistvolle Beobachtungen bei Schmollen, Tkatsachen derArbeitsteilung, in seinem Jahrbuch XIII (1889); Ed. Meyer, Wirtsch. Entw.des Altertums (Jahrbücher für Nat.Ök. III. Folge. Bd. IX, 707).