Fünftes Kapitel. Das Wesen d. liandwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. H5
würden sich beeilen zu sagen: als ein „Gesetz“ in der Entwicklungdes Handwerks — eine Differenzierung der einzelnen Be-rufsarten aus ursprünglich komplexen Thätigkeiten wahrnehmenkönnen.
Auch diese Thatsache ist oft beobachtet und im einzelnen nach-gewiesen h Hervorgehoben soll hier nur werden, was meines Wissensin nationalökonomischen Kreisen noch nicht die entsprechende Be-achtung erfahren hat, dafs, weit alle übrigen analogen Entwick-lungsreihen an Reichhaltigkeit überbietend, die gekennzeichneteDifferenzierungstendenz sich verfolgen läfst unter den Handwerkernder römischen Kaiser zeit.
Bekannt sind die dem König Numa zugeschriebenen Hand-werkerzünfte der Flötenbläser, Goldschmiede, Kupferschmiede,Walker, Färber, Töpfer, Zimmerleute, Schuster 1 2 . Sie stellen schoneinen verhältnismäfsig hohen Grad der Differenzierung dar, denndie Textilarbeiter finden sich schon in zwei, die Eisenarbeiter eben-falls schon in zwei Gewerbe geschieden. Dafs die „Kupferschmiede“ Grobschmiede schlechthin bedeuten, darf ohne weiteres interpoliertwerden, ebenso wie dafs die Schuster Sammelbegriff für alle Leder-arbeiter sind. Überhaupt ist die Liste inkorrekt: auch die Zimmer-leute stehen für die Stellmacher, die fast immer früher auf derBildfläche erscheinen. Immerhin können wir jene Gewerke un-gefähr als den Ausgangspunkt für die Entwicklung des römischenHandwerks ansehen und können nun beobachten, wie sich allmählichdie verschiedensten Specialitäten aus ihnen herausdifferenzieren.
So spalten sich namentlich während der ersten Kaiserzeit, inwelcher das freie Handwerk in Rom seine Glanzzeit erlebte, diefabri aurarii, die in der späteren republikanischen Zeit aurificesheifsen, in die
fabri anulari
argentarii
crustarii
caelutores,
1 Vgl. für das alte Indien: H. Zimmer, Altindisches Leben (1879)S. 245, 252, 253; für Griechenland : Büchsenschütz, Besitz und Er-werb (1869) S: 318; für Deutschland die erschöpfende Darstellung bei vonMaurer 2, 463 ff.
2 Blümner, Die gewerbliche Thätigkeit der Völker des klassischenAltertums. 1869. S. 110. Büchsenschütz, Hauptstätten des Gewerbe-fleifses im klassischen Altertum. 1869. S. 25, 47, 48.
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