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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
119
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Fünftes Kapitel. Das Wesen d. handwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes.

scheinen, oder was dasselbe ist, als Organ im Dienste eines gemein-samen Ganzen.

Die Existenz des Lehrlings ist, wie noch zu zeigen seinwird, im Wesen der dem Handwerk eigenen Arbeitsweise begründet,und deshalb findet er sich auch in typischer Wiederholung, woauch immer wir dem Handwerk als Wirtschaftsform begegnen: imdeutschen 1 2 , französischen 3 , italienischen 3 , englischen 4 5 Mittelalter bisin unsere Zeit hinein ebenso wie im alten Rom 6 oder im altenÄgypten 6 oder im alten Indien 7 . Da über die Wesenheit derÜbertragung empirischen Könnens in einem andern Zusammenhängespäter noch zu handeln sein wird, so genügt es hier zu konstatieren:dafs das Lehrlingstum eine aus der Natur des Handwerks folgendestereotype Erscheinung ist. Kein Handwerk, als ein Ganzes ohneLehrling darin; der Lehrling stellt gleichsam das Bindeglied zwischenden einzelnen Generationen her, er sichert dem Handwerk diehistorische Kontinuität, er bewahrt es vor dem Aussterben.

Nicht ganz das Gleiche gilt von der andern Kategorie vonHilfspersonen des Handwerkers: dem Gesellen. Seine Existenzliegt weder als notwendig im Wesen des Handwerks begründet,noch ist sie auch historisch überall nachweisbar. Es scheint sogar,als ob in den Anfängen handwerksmäfsiger Organisation jedesmalder sofortige Aufstieg des ausgelernten Lehrlings zur Meisterschaftals Regel zu gelten habe 8 .

Wo er jedoch vorkommt, erscheint der Geselle ursprünglichstets alsGehilfe des Meisters im eigentlichen Sinne, als sein Helfer 9 ,

1 Die ausführlichste Darstellung bei Stahl, Dss deutsche Handwerk.1 (1874), S. 35 ff., insbes. auch 205 ff.

2 M artin -St.- L4on, Hist, des corpor., 70 ff. Für die ältere Zeit Lelivre des metiers; ed. Lespinasse-Bonnardot (1879), Off.

8 Ygl. z. B. Goldschmidt, Univ.-Gesch. des Handelsrechts (1891).

* Ashley 1, 84 f.; 2, 86 ff.

5 Ygl. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Korns l 6(1881), 275/76.

6 Vgl. die oben cit. Werke.

7this master faught him and fed him and made him work. (Theapprentice)was to be treated like a son. E. Washburn Hopkins, An-cient and modern Hindu gilds (Yale Review May and August 1898. p. 28).

8 In Frankreich bis ins 13. Jahrh. Martin-St.-L6on, 1. c. p. 84.

9dehein meister von seinem untertan, der sein helfer ist Bam-berger Gerichtsbuch aus dem 14. Jahrh.Le terme de valets . . . signifiaitaide, jeune serviteur, eeuyer. Martin- St.-Leon, 1. c. Der Nameovrteresumfafst im L. des M. die Meister mit. Ed. cit. CXI.