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118 Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
sation. Worauf es überhaupt an dieser Stelle nur ankommt, ist zuzeigen, dafs das Wesen des Handwerks nicht notwendig eine ganzbestimmte Betriebsgestaltung erheischt, sondern dafs innerhalb derhandwerksmäfsigen Wirtschaftsform Spielraum für verschiedene Be-triebsformen bleibt, wenn auch, wie schon hervorgehoben wurde,die eine oder andere dieser Betriebsformen der Natur der betreffen-den Wirtschaftsform mehr oder weniger adäquat ist. Auszuschliessenscheint das Handwerk völlig nur den gesellschaftlichen Grofs-betrieb: aus naheliegenden Gründen.
Was dagegen wiederum ein dem Handwerk specifischer Zugist, ist die Art und Weise, wie die in den verschiedenen Betriebs-formen zu einheitlichem Wirken zusammengefafsten Personen recht-lich und ökonomisch zu einander in ein Verhältnis gebracht werden,ist dasjenige, was man die innere Gliederung des Handwerksnennen kann. Denn ihre Eigenart folgt aus dem obersten Principehandwerksmäfsiger Organisation, wie es in der Zwecksetzung ihrerTräger zum Ausdruck gelangt.
Das Verhältnis des Leiters handwerksmäfsiger Produktion —des „Meisters“ — zu seinen Hilfspersonen — den Gesellen, Knechten,Knappen, Knaben, Dienern, Helfern, Gehilfen und wie die Bezeich-nungen sonst noch lauten mögen, sowie den Lehrlingen — unddieser zu ihm, wird man nur dann richtig verstehen, wenn mansich den familienhaften Charakter vergegenwärtigt, den alles Hand-werk ursprünglich trägt: die Familiengemeinschaft ist derälteste Träger dieser Wirtschaftsform, und sie bleibt es auchdann noch, als schon fremde Personen zur Mitwirkung herangezogenwerden. Geselle und Lehrling treten in den Familienverband einmit ihrer ganzen Persönlichkeit und werden von ihm umschlossenzunächst in der gesamten Bethätigung ihres Daseins. Die Familiesamt Gesellen und Lehrlingen ist Produktions- und Haushaltungs-einheit. Alle ihre Glieder sind Schutzangehörige des Meisters,sie bilden mit ihm ein organisches Ganze, ebenso wie es die Kindermit ihren Eltern thun.
Wie nun aber gar nie die Vorstellung aufkommen kann, dafsdie Eltern der Kinder, oder die Kinder der Eltern wegen da seien,ebenso wie es thöricht wäre, zu denken, dafs das Herz um desKopfes oder dieser um jenes willen da sei, so folgt auch für dasVerhältnis von Meister zu Gesellen und Lehrlingen, dafs keinerder Mitwirkenden als um des andern willen wirkend gedacht werdendarf, sondern dafs sämtliche Personenkategorien, also auch dieHilfspersonen — Geselle und Lehrling — als Selbstzweck er-