Fünftes Kapitel. Das Wesen d. handwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. H7
tausenderlei Fährnisse des häuslichen Lebens gehen nicht spurlosan dem Werk des Handwerkers vorüber. Es bleibt in den Kreisseines Könnens gebannt: das aber ist verschieden von Meister zuMeister, verschieden von Tag zu Tag. *
Was aber notwendig zur Ergänzung des Gesagten gehört, dasist die Eigenart, in der der Handwerker, um sein Werk zu voll-enden, den Arbeitsprozefs ordnet, womit wir zur Erörterung stellen
II. Die Betriebsformen des Handwerks.
Die der haüdwerksmäfsigen Organisation der Produktion aminnerlichsten entsprechende Form der Betriebsgestaltung ist derIndividualbetrieb in allen seinen uns bekannten Modalitäten: alsAlleinbetrieb, Familienbetrieb, Gehilfenbetrieb. Aber auch in derSphäre der sog. Ubergangsbetriebe finden wir gelegentlich das Hand-werk zu Hause. Der Handwerker, der den Umfang seiner Ge-samtthätigkeit ausdehnen will, bedient sich des „erweiterten Ge-hilfenbetriebes“, indem er die Zahl seiner Gesellen vermehrt, ohnedie Natur des Arbeitsprozesses zu verändern. Es entsteht dannjener Typus, den man 1 treffend als „Grofshandwerker“ be-zeichnet hat.
Aber auch der eigentliche „Grofsbetrieb“, wenigstens als In-dividualbetrieb im grofsen, kommt als Betriebsform des Handwerksvor. Wir brauchen noch nicht einmal an die Hilfsbetriebe derZünfte 2 3 * * * * während des Mittelalters zu denken, um für ein grofs-betriebliches Handwerk Beispiele in der Geschichte zu finden. Esgehören hierher: die Organisation der Pfännerschaften, deralten Gewerkschaften, der Baugewerbe bis in unser Jahr-hundert hinein.
Bei der Reichhaltigkeit der neueren Litteratur 8 , die die ge-nannten Gebilde in ihrer frühesten Form unseren Blicken erschlossenhat, erübrigt ein näheres Eingehen auf die Eigenart ihrer Organi-
1 R. Stegemann, Die Organisation des Handwerks in Schmollers Jahr-buch XVIII (1894) S. 136.
2 Vgl. S. 127.
3 Über die alte Salinen- und Bergwerksorganisation vgl. die oben S. 105
Anm. 7 citierte Litteratur. Über vorkapitalistische Organisation des Bau-gewerbes sind zu vergleichen: für das Mittelalter namentlich die Schriften
über die Bauhütten: Heideloff, Die B.H. (1844), Jänner], Die B.H. des M.A.
(1876); für die neuere Zeit die betreffenden Artikel in Krünitz und Bergius,
Polizey- und Cameral-Magazin (z. B. den Artikel „Zimmermann“ im 6. Bd.
der N. F. 1780).