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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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172
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172 Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

häufig, solche von 150 Last aufserordentlich seltenV Nehmen wirmit Stiecla die Schiffslast zu 2 Vs R.-T. an (1 Hamburger Schiffs-last war zuletzt gleich 3 Gewichtstonnen), so gelangen wir dazu,selbst in den gröfsten Kauffahrteischiffen der Hansa in ihrer Blüte-zeit Schiffstypen von der Gröfse unserer heutigen t Fiseherböteoder kleinerer Flufskähne erblicken zu müssen. Ein Schiff von150 Lasten, also der gröfsten eines, hat nicht mehr als 4500 tTragfähigkeit gehabt (als Maximum), während heute die Rhein-kähne 1200 t und darüber laden.

Wenn nun an der überhaupt gelängen Ladung eines solchenSchiffes, wie es die Regel war, noch obendrein eine ganze Anzahlvon Kaufleuten beteiligt war, so läfst sich daraus auf den geringenUmfang der einzelnen Geschäfte ein sicherer Schlufs ziehen. Stiedahat uns für das Jahr 1369 über den Wert der Ladungen von 12aus Reval abgehenden Schiffen, sowie über die Zahl der daran be-teiligten Kaufleute aufserordentlich lehrreiche Angaben gemacht.Danach betrug die Zahl der Kaufleute, die auf diesen 12 SchiffenWaren versandten, 178; der Gesamtwert sämtlicher 12 Schiffs-ladungen aber bezifferte sich auf 29304Vs Mk. lüb. Jeder einzelneKaufmann hatte also im Durchschnitt einen Warenwert von 164 Mk.lüb. oder etwa 1600 Mk. heutiger Währung verfrachtet 1 2 . Dieseeine Zahl redet Bände. Dafs die Gröfsenverhältnisse aber keines-wegs vereinzelte waren, lehren uns zahlreiche andere Fälle, die einganz ähnliches Bild gewähren. Der Wollhändler in England wurde

1 Hirsch, 264.In jener Zeit lag es im Interesse der Seeschiffer,möglichst flachgehende Fahrzeuge zu führen, weil sie mit diesen am be-quemsten auch in flache Häfen hineinsegeln konnten. An Baggerarbeitenin gröfserem Mafsstabe, an Vertiefung der Mündung dachte wohl niemand,bemerkt für Stettin im 14. Jahrhundert Th. Schmidt, Zur Geschichteder früheren Stettiner Handelskompagnien etc. (1859), 8. Dasselbe Bildder Winzigkeit gewährt der Ostseeverkehr noch bis tief in die Neuzeit hinein.Im Verkehr zwischen Lübeck und den übrigen Ostseehäfen finden wirim 17. Jahrhundert der Eegel nach Schiffe von 5060 Lasten. F. Siewert,Geschichte und Urkunden der Rigafahrer in Lübeck, Hans. Geschichts-quellen. N. F. Bd. I (1899), 207 ff. Sehr anschaulich stellen die Zeich-nungen Willy Stöwers die verschiedenen Typen der Hansaschiffe im14. und 15. Jahrhundert dar. Es sind in der That im heutigen Sinne Nachen,wie sie auf den deutschen Flüssen zu wirtschaftlichen Zwecken nur nochselten verkehren. Siehe die Tafel im VII. Bde. der von Hans F. Helmolt herausgegebenen Weltgeschichte (19001 zwischen S. 36 u. 37.

2 Stieda, Revaler Zollbücher LXXXVIII ff. Vgl. dazu Stieda,Schiffahrtsregister, in Hans. Geschichtsblätter 1884, 77 ff.