Achtes Kapitel. Begriff und Wesen des Kapitalismus . 203
2. Der „Kapitalist“ (meist in Gestalt des Kaufmanns) übtEinflufs auf die Art der Produktion, der er die Richtung weist.Der Handwerker fängt an, „auf Bestellung“ des Kaufmanns zuarbeiten. Ein zunächst völlig unschuldiges Verhältnis, das freilichleicht zu ernsten Konsequenzen führen kann.
3. Der „Kapitalist“ schiefst einem technischen Arbeiter dieMittel zur Produktion auf dem Wege des Kredits vor: kümmertsich aber im übrigen um die Thätigkeit seines Schuldners alsProduzenten entweder gar nicht oder doch nur insoweit, als es dieSicherheit seines Darlehns erheischt. In diese Form der Abhängig-keit von Geldbesitzern geraten, wie bekannt, sehr leicht die land-bauenden Handwerker, das ist das Bauerntum, die handwerks-mäfsigen Warenverschleifser, das ist das Krämertum; aber auch diegewerblichen Arbeiter biifsen ihre Unschuld häutig auf diesemWege ein.
Schiefst nun der Geldbesitzer die zur Produktion erforderlichenMittel dem technischen Arbeiter vor und übt er gleichzeitig aufdie Art und Richtung der Produktion bestimmten Einflufs aus:Kombination, wie ersichtlich, von 2 und 3, so ist
II. die kapitalistische Produktionsunternehmung
im Princip gegeben, vorausgesetzt dafs der Geldbesitzer insbeson-dere den Absatz der Erzeugnisse, d. h. also die Vertriebsthätigkeit,ganz übernimmt.
Dadurch nun, dafs der Geldbesitzer oder, wie wir ihn vonjetzt ab mit vollem Rechte nennen hönnen, der kapitalistischeUnternehmer die für die Produktion erforderlichen Mittel ganzoder nur teilweise (und letzteres wiederum in verschiedenen Ab-stufungen) vorschiefsen kann, entstehen eine Reihe von Spielartender kapitalistischen Unternehmung, die wir als die verschiedenenBetriebsformen der kapitalistischen Produktions-unternehmung ansprechen können. Sie stellen sich dar alseine Stufenfolge von immer enger werdenden Beziehungen zwischentechnischem Arbeiter und Kapitalisten, anders gewandt von mehrund mehr zur Vergesellschaftung sich entwickelnden Betriebs-formen. Da wir später Gelegenheit haben werden, bei der Be-trachtung der empirischen Gestaltung gewerblich - kapitalistischerOrganisation genauer die Eigenarten der verschiedenen Betriebs-formen der kapitalistischen Produktionsunternehmung kennen zulernen, so genügt hier die Aufstellung des folgenden Schemas: