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in der Marx den Begriff des Kapitals und der kapitalistischen Unternehmung bestimmt hat.
Müssen wir nun aber auch — wohl für immer — darauf ver-zichten, die Mindesthöhe des kapitalistischer Verwertung fähigenSachvermögens zu bestimmen, so wird in der grofsen Mehrzahl derFälle es sich empirisch mühelos feststellen lassen, wann ein Sach-vermögen den Rahmen eines blofsen Arbeitsfonds überschreitet undDispositionsfonds wird. Theoretisch müssen wir uns also mit derallgemeinen Konstatierung begnügen, dafs kapitalistische Wirtschaftohne vorhergegangene Accumulation von Sachvermögen in an-gemessener Höhe undenkbar ist. Und diese einfache aber wichtige,ja grundlegende Erkenntnis kann noch dahin erweitert bezw. prä-cisiert werden, dafs wir den Artcharakter des Sachvermögens, dasdie Voraussetzung kapitalistischer Organisation bildet, genauer be-stimmen können: es ist seine Existenz als Geldbesitz notwendig.Indem wir hier gleichzeitig eine für die Existenz kapitalistischerOrganisation notwendige objektive Bedingung vorwegnehmen,können wir sagen, dafs eine Gesellschaft ihre Wertvorstellungenschon in der abstrakten Form eines allgemeinen Warenäquivalents,des Geldes, und zwar genauer des Metallgeldes (oder seinerSurrogate), vergegenständlicht haben mufs, ehe denn Kapitalismus gedacht werden kann. Denn nur unter dieser Voraussetzung ist diedem Wesen der kapitalistischen Unternehmung eigentümliche Rechen-haftigkeit des wirtschaftlichen Gebarens, ist die ungehinderte, unaus-gesetzte, auf ziffernmäfsiger Feststellung von Leistung und Gegen-leistung berechnete Vertragschliefsung, die den inneren Kern derkapitalistischen Unternehmung bildet, denkbar. Wir können alsoals die erste, ursprünglichste und wichtigste subjektive Voraussetzungkapitalistischer Organisation auf Grund dieser Erwägungen nunmehrgenauer die in den Händen einzelner Wirtschaftssubjekte erfolgte(Metall-)Geldaccumulation bezeichnen. Wir werden dort, wo wirdas historische Werden des Kapitalismus verfolgen, zu zeigen haben,wie auch empirisch die Thatsache namentlich rascher und massen-hafter Geldaccumulation von eminenter Bedeutung als Anregungzu kapitalistischer Verwertung der Sachvermögen wirkt. Hier ge-nügt einstweilen die theoretische Feststellung dieser ersten subjek-tiven Voraussetzung unserer Wirtschaftsform.
Nun ist aber auch die gröfste Geldaccumulation noch keines-wegs schon hinreichende Voraussetzung auch nur für den Plan einerkapitalistischen Unternehmung. Was vielmehr zu ihr in dem ver-mögenden Wirtschaftssubjekte hinzutreten mufs, um die accumu-