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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
geknüpft ist, braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden.Diese Bedingungen, an deren Erfüllung also die Verwertung einesKapitals gebunden erscheint, sind diejenigen objektiven Be-dingungen materieller Natur, von denen oben die Rede war.Sie nachweisen, heifst die Frage beantworten:
Wie ist Profit möglich?
Da es die specielle Aufgabe späterer Darstellung ist, die „Ge-setze“ kapitalistischer Wirtschaft in ihren Verzweigungen aufzu-decken, so kann hier auch die aufgeworfene Frage nur eine vor-läufige Erledigung finden, soweit eine solche für das Verständnisder Beziehungen zwischen Handwerk und Kapitalismus unabweis-bar ist.
Ein grofser Teil der Antwort ist bereits durch die Fragestellunggegeben. Es handelt sich nämlich, wie diese ersichtlich macht, hierzunächst nicht um das unwissenschaftliche (weil ethische) Problemeiner „Zurechnung“ des Kapitalprofits. Die ganze lästige Geschichtevon der „Ausbeutung“, dem „Gebühren“ und „Verdienen“ und wasdamit zusammenhängt, liegt völlig aufserhalb unseres Interessen-bereiches, wie ja wohl der ganze Inhalt dieses Buches dem aufmerk-samen Leser zur Genüge deutlich gemacht haben dürfte. Derwissenschaftliche Charakter unserer Erörterungen schliefst derartigelaienhafte Betrachtung von vornherein aus.
Es handelt sich aber bei unserer Frage auch nicht um diepsychologische Motivierung des „Zinsbezuges“, auf die, wie bekannt,die Ausführungen des bedeutendsten der lebenden Kapitaltheoretiker,Böhm-Bawerks, hinauslaufen.
Es handelt sich vielmehr um die Lösung eines, wenn man will,viel einfacheren, aber darum für die social wissenschaftliche Er-kenntnis nicht weniger bedeutsamen Problems, desjenigen nämlich,das in der Frage nach der Herkunft alles Unternehmerprofitsaufgeworfen wird; mit anderen Worten um das Problem der objek-tiven Möglichkeit eines Profit-(und Zins-)bezuges. Es ist klar, dafsdiese Frage ihre ganz selbständige Bedeutung neben jenen obengenannten nach der Zurechnung und der psychologischen Moti-vation besitzt. Es ist aber auch nicht minder klar, dafs es in einerLehre von den objektiven Bedingungen des Kapitalismus die einzigeFrage ist, die überhaupt in Betracht kommt.
Die Beantwortung der von uns aufgeworfenen Frage nimmtihren Ausgangspunkt von zwei Grundsätzen:
1. The annual labour of every nation is the fund, which origi-
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