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242 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .
(bereits teuere Kriegsjahre). Die Durchschnittseinnahme des könig-lichen Haushalts zur Zeit der Plantagenets schätzt Stubbs 1 auf120 000. Da man das Pfund der damaligen Zeit mit 50—60 Mk.heutiger Währung ansetzen mufs, so würde es sich um Einkünftevon 60—70 Milk Mk. heutiger Währung handeln. Kein Wunder,wenn wir die Falter Bardi, Frescobaldi, Peruzzi um dieses Lichtmit Vorliebe werden kreisen sehen!
Es mag daran erinnert werden, dafs um dieselbe Zeit, als die r
englischen Könige solcherart schon über Millionen Bareinkünfteverfügten, die Einnahmen des deutschen Reichs hinter denjenigenjedes gröfseren Grundherrn zurückblieben. Kaiser Sigismund er-ldärte 1412, dafs die Gesamteinnahmen des Reiches aus dendeutschen Ländern etwa 13 000 fl. (= Duk.) ausmachten 2 .
5. Die Grundherrn. Unter dieser Bezeichnung werdenwir alle jene Elemente zusammenfassen dürfen, die wir aufser denGenannten (und den noch zu erwähnenden Städten) im Mittelalterim Besitze von gröfseren Vermögen oder Einkünften finden. Es istfür unsere Betrachtung gleichgültig, ob die Quelle ihres ReichtumsRenten- oder Zinsberechtigungen oder delegierte Hoheitsrechte sind.
Genug, dafs wir uns die Länder bevölkert denken müssen miteiner grofsen Schar solcher reichen Leute, deren Vermögen wir ,
selbstverständlich in aufserordentlich grofsen Abstufungen uns vor-zustellen haben. Von den Einkünften eines Grafen von Flandern,eines englischen Herzogs oder eines Erzbischofs ist natürlich einweiter Weg bis zu denen eines einfachen Squires oder Seigneursoder Ritters. Aber es ist doch für das Verständnis der modernenEntwicklung aufserordentlich wichtig, sich vor Augen zu halten,dafs in jenen Elementen der feudalen Gesellschaft sich ein Fondsvon Reichtum, von accumulierten Vermögensbeträgen oder dochwenigstens von Bezugsberechtigungen aufgehäuft hatte, den wirnicht leicht zu hoch anschlagen können. Es handelt sich freilichwohl grofsen Teils noch um Naturalieneinkommen; aber sicherlichspielt im Verlauf des Mittelalters auch das Geldeinkommen eineimmer gröfsere Rolle.
Einen klaren Einblick in die Struktur der mittelalterlichen T
Gesellschaft wurde uns allein eine Einkommens- und Vermögens-statistik der genannten Kreise gewähren. Und es wäre wohl einedankbare Aufgabe für gebildete Wirtschaftshistoriker, einmal eine
1 W. Stubbs, 1. c. p. 581.
2 A. Gottlob, Aus der Camera apostolica, 183.