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244 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
der Earl of Leicester 1313 einen Ausgabeetat von 7309 Sg batte 1 2 ,während die jährlichen Einkünfte des Herzogs von Buckingham im15. Jahrhundert von dem venetianischen Gesandten Giustiniani auf30 000 duc. geschätzt wurden 9 . Von den Orsini und Cölonnahören wir, dafs sie im 15. Jahrhundert jährlich je 25000 fl. ver-einnahmten 3 .
Und mit den weltlichen Granden rivalisierten die geistlichenFürsten und Herren. Die beiden englischen Erzbischöfe, sagt r
Stubbs, hielten Haus wie Herzoge; die Bischöfe lebten auf demFufse der Earls. Dafs die Klöster während des Mittelalters zufürstlichen Reichtümern gelangten, ist eine bekannte Thatsache.
Und zwar handelt es sich — das möchte ich noch einmal betonen— bei diesen „grundherrlichen“ Vermögen und Einkünften keines-wegs nur um Grundbesitz und Naturalbezüge. Wir werden unsvielmehr denken müssen, dafs nach dem Untergang des römischenReichs bis in das späte Mittelalter hinein der gröfste Teil des ge-samten Edelmetallvorrats in den Schatzkammern der Grundherren,der Stifter und Klöster zusammenfloss. „In einer Zeit, wo Geldeine grofse Seltenheit war, besafsen die Klöster fast sämtlich dankder Opferspende der Gläubigen, den unschätzbaren Vorteil, überreichliche Geldreserven zu verfügen 4 .“ Oft genug wird freilichdas zusammenströmende Edelmetall seine Gestalt geändert habenund aus der Geldform in Schmuck und Geräte umgewandeltworden sein. Nur so werden uns die Berichte verständlich, diewir aus dem Mittelalter über den ungeheuren Reichtum an Gold-und Silbersachen in Kirchen, Klöstern, bei Fürsten und Edlen ver-nehmen. „Quand on lit avec quelque suite les nombreux inventairesdes mobiliers royaux ou princiers (und der Kirchen und Klösterkönnen wir hinzufügen) au XIV. et XV. siede, on a peine ä s’ex-pliquer l’accumulation de tant de richesses. La mention de tantd’or et tant d’argent ddpasse tout ce que l’imagination peut sepräsenter 5 6 * * .“ Und was "wir hier von Frankreich hören, finden wir
1 Anderson, Annals.of commerce 1, 282.
2 Den ton, Engl , in the XV. cent. (1888), 266.
3 Carte Strozziane Ms. mitgeteilt bei Gregorovius , Gesell, der StadtRom 7 4 (1894), 342/43.
4 H. Pirenne, Gescb. Belgiens 1 (1899), 148 ff. Vgl. Sackur, Beiträge
zur W.Gesch. der französ. und lothring. Klöster etc. in der Zeitschrift fürSoc. und W.G. 1, 167 f.
6 Douet d’Arqu, Sur les comptes des ducs de Bourgogne publ. par
M. de Laborde. In der Biblioth5que de l’ecole des chartes. 3. s6r. t. IV
(1853). p. 125 ff.