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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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250
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250 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.

in den meisten Ländern auch das Privilegium des sehr einträglichenGeldwechsels * 1 .

Eine besondere Berühmtheit haben dieCampsores cameraeapostolicae erlangt, auf die uns der alte Pagnini schon hinwiesund mit deren Schicksalen uns zahlreiche gründliche Specialunter-suchungen in ganz besonders liebevoller Weise vertraut gemacht haben.

Wir wissen jetzt genau Bescheid über die Art, wie diePäpste das ihnen aus aller Herren Länder zuströmende Geld f

vermittels eines kunstvollen Sammelsystems in ihre Centralkasseleiteten. Wir können die Generalkollektoren, Kollektoren undSubkollektoren auf ihren Wanderungen verfolgen, kennen dieSäckchen und Kisten, womöglich mit ihren Signaturen, in denendie Gelder auf bewahrt zu werden pflegten, ehe sie an eine höhereCentrale abgeliefert wurden. Wir wissen daher jetzt auch, washier interessiert: dafs schon seit dem 13. Jahrhundert Kaufleutemit der Einziehung und Übermittlung päpstlicher Gelder betrautwurden; die erstenBankiers der Kurie begegnen uns unter demPontifikate Gregors IX. ( 12271241) 2 . Dafs dann aber im 14. Jahr-hundert, zumal nach Aufhebung des Templerordens, der währendseines Bestehens besonders gern zum Einsammeln der Gelder be-nutzt worden war, das Institut der Campsores camerae apostolicaesich zu grofser Bedeutung entwickelte. Waren anfangs Kaufleute

Münzstätten in den Kreuzfahrerstaaten in Syrien und Palästina war meist inden Händen der Venetianer, die darauszweifellos einen sehr bedeutendenGewinn zogen. Prutz, Kulturgeschichte der Kreuzzüge, 373. Über dieaufserordentlich zahlreichen Italiener an deutschen Münzstätten siehe die ein-gehende Darstellung'bei Schulte 1, 328 ff. Vgl. auch noch S. Alexi, DieMünzmeister der Calimala- und Wechslerzunft in Florenz in der Zeitschriftfür Numismatik 17 (1890), 258 ff.

1 Vgl. für Deutschland : K. Eheberg, Das ältere deutsche Münz-wesen etc. (1879), 50 ff., über die lukrativenMünzverrufungen insbesondereS. 55 ff.; für England: Cunningham 1, 301 ff., für Frankreich : Vuitry,Etudes 2, 261.

2 Die früheste Urkunde, welche die Verwendung von Kauf leuten in derpäpstlichen Finanzverwaltung bestätigt, ist ein Brief Gregors IX. vom Jahre1233, worin er quittiertad Angelicum Solaficum quemdam campsoremnostrum et eius socios mercatores senenses de omnibus rationibus, quos inAnglia , Francia et Curia Romana vel etiam alibi nostro vel Ecclesiae Romanaenomine reeeperunt. Aus dem Cod. Cenc. Cam. publiziert bei Muratori,Ant. ital. diss. 16. t. I. pag. 118. Vgl. Deila dec. 2, 126.

Im übrigen ist zu verweisen auf die bereits namhaft gemachten Werkevon Kirsch, Gottlob, Schneider, derer Ergebnisse unter Hinzufügungzahlreicher weiterer Details Schulte zusammenfassend dargestellt hat.

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