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scheint grofsenteils durch Übertragung ihre Vermögen erworben zuhaben. Wenigstens begegnen uns die Pulteney, die Philipot, dieChircheman, die Walworth, die Wittington, die de la Pole 1 e tuttiquanti als Königsgläubigei’, Zollpächter, Kriegslieferanten oder Miinz-beamte. Und wir dürfen schliefsen, dafs sie als solche die Fonds er-warben, mit denen sie dann den englischen Handel einer neuen Epochehalfen entgegenführen. Ein besonders eklatanter Beweis aber für dieEinträglichkeit des Grofswuchers im Mittelalter ist der rasch an- *
wachsende Reichtum der Juden. Bekanntlich war er nie von langerDauer, weil die Fürsten und Städte den Schwamm, jedesmal wenner voll genug gesogen war, ausprefsten. Aber es ist doch erstaun-lich, in wie rascher Zeit Israel das abgenommene Hab und Gutwieder zu ersetzen wufste, es ist erstaunlich, um welch grofseSummen es sich bei der Plünderung gelegentlich handelte. Hierein paar Belege:
1375. „in den zeiten da iiengen die von Augspurg alle irejuden und legten sie in fanknus und beschatzten sie umb 10000 fl.“
1381. „vieng man die juden allhie und muesten der stat geben5000 fl.“
1384. Desgl. 20000 fl. u. s. w . 2
Bei der Schatzung in Nürnberg im Jahre 1385 zahlten einzelne y
Juden 13000 fl ., Jekel von Ulm und seine zwei Söhne 150000 fl . 3
1414 schätzt König Sigismund die Juden Nürnbergs und Kölns um je 12000 fl., die Juden zu Heilbronn müssen 1200 fl., einer zuWinsheim 2400 fl., einer zu Schwäbisch Hall 2000 fl. zahlen 4 .
In England waren allem Anschein nach die Juden im Ver-lauf des 13. Jahrhunderts zu grofsem Reichtum gelangt. Wir findenviele von ihnen im Besitse von Schlössern und Landsitzen, dieihnen dann gelegentlich abgenommen werden, und selbstverständlichvor allem von grofsen Barvermögen. Einen Einblick in die Ver-mögensverhältnisse der Juden im damaligen England ( 1290 werdensie bekanntlich vertrieben) gewähren die Beträge der Steuern unddie zahlreichen Bufsen, die ihnen aufgelegt werden.
Gesamtschatzungen: 1210 = 66000 Mk. (ca. 2 1 Aa Mill. Mk.
1 Hat 1338 eine Forderung in Höhe von 18000 £ gegen den König.Rhymer 5, 91; bei Anderson 1, 310.
- Cliron. des Burkard Zink in der Cliron. d. St. 5, 13. 27. 30. WeitereBelege für die „Schatzungen“ der Juden in Deutschland siehe bei Neumann,Geseh. d. Wuchers, 328 ff.
3 Chron. d. St. 1, 121 ff.
4 Stobbe, 37.