Zehntes Kapitel. Die Kapitalbildung durch Vermögensiibertragung. 265
1551—54 gar 85% Reingewinn erzielt wurden, dafs aber die Fuggeran diesen Pachtungen während der 40 Jahre 1563—1604 bar2127 000 Duk. verdienten. Während der Jahre 1551—54 war derDurchschnittsertrag der Maestrazzos 114646370 mrs. Für dieJahre von 1563—1604 ergaben sich im einzelnen folgende Gewinne 1 :1563—1567 ca. 200000 Dukaten,
1567—1572 - 5700001572—1577 - 4900001577—1582 - 1670001582—1594 - 4000001595—1604 - 300000
Und dafs nun solcherart Wucher auch wirklich in grofsemStile Reichtum zu bilden imstande war, dürfen wir aus den Bei-spielen von Leuten schliefsen, deren Vermögen verbürgtermafsenaus solchen Geschäften herstammt. Die Fugger sind das Haupt-beispiel. Sie haben der Auswucherung der Könige und (wie wirnoch sehen werden) dem Bergbau ihren grofsen Reichtum zn danken.Es wäre geradezu lächerlich, annehmen zu wollen, ein Vermögenwie das Fuggersche sei aus Handelsprofiten accuinuliert. Dasselbegilt aber wohl auch für die meisten reichen Häuser der italienischen,namentlich der florentiner Kaufleute: wir werden keinen Anstandnehmen dürfen, hierin dem alten Pagnini Recht zu geben 2 . Auchdie Nuova gente in England , die gegen Ende des 14. Jahrhundertsdie Fremden ablöst und rasch zu beträchtlichem Reichtum gelangt,
1 Zusammengestellt nach K. Häbler, Geschichte der Fuggerschen Hand-lung in Spanien. Ergänzungsheft zur Zeitschrift für Soc.- u. Wirtsch.Gesch:Heft 1 (1897), 72 ff. 82 ff. 145. 169. 176. 193. .
2 Nach den neueren Ermittelungen Davidsohns (Forsch. 3) könnte esscheinen, als ob die Bardi, Peruzzi etc. Warenhändler in grösserem Umfangegewesen wären, als man bisher annahm. Davidsolm hat genau die Getreide-mengen in den Urkunden feststellen können, die von Florentiner Konsortienim 13. und 14. Jahrhundert aus den Gebieten Süditaliens „ausgefiilirt“ wurden.Offenbar handelt es sich dabei aber gar nicht um Handel mit effektiver Ware,sondern um Aufkauf von Ausfu hr sch einen, in denen die FlorentinerHäuser spekulierten. Den Getreidehandel selbst besorgten handwerksmäfsigeKaufleute. Vgl. Urk. bei Davidsohn 3, 224 Ein Wort über die Quan-titäten, die dabei in Frage kamen. Davidsohn nennt sie bedeutend. Dasist für mittelalterliche Verhältnisse richtig. Die Ausfuhrmengen, für die dieFlorentiner Spekulanten die Zollbeträge pachten, sind im Durchschnitt währenddes 14. Jahrhunderts ca. 100—120000 Salme, nach meiner Berechnung etwa10—15000 t. Das ist immerhin etwa der Jahresbedarf des Breslauer Konsum-vereins. Dagegen exportiert freilich heute Russland etwa das 3000 fache,Deutschland allein importiert das 3—400fache an Getreide.