268
Weise kehrten die konfiszierten Vermögen nur in den seltenstenFällen in ihre alte feudale Abgeschlossenheit zurück. Sie warenvielmehr ins Rollen gekommen und endigten doch bald wieder,wenn nicht in den Händen eines Juden, so bei irgend einem andernVertreter des monied interest. Es ist klar, dafs 100 000 fl., dieein paar Hundert Rittern abgewuchert waren und nun der Beuteeines Fürsten anheim fielen, eher Kapitaleigenschaft anzunehmendie Aussicht hatten als zu der Zeit, da sie noch in den eisen-beschlagenen Truhen auf den Ritterburgen vereinzelt lagen.
Kann es also nach allem, wie wir wissen, keinem Zweifel unter-liegen, dafs der moderne Reichtum zum nicht geringen Teile aufdem Wege der blofsen Übertragung bereits vorhandener Vermögenoder Renten entstanden ist, so bleibt doch noch die Frage offen,welche Bedeutung diese Form der Ammassierung für die sog. ur-sprüngliche Accumulation, d. h. die Entstehung kapital-kräftiger Vermögen ex nihilo besitzt; es bleibt die Frage zu be-antworten, ob wir es in den betrachteten Fällen mit den Anfängenbürgerlichen Reichtums, mit der Wurzel des Baumes oder vielleichtdoch schon mit Stamm und Krone zu thun haben. Oder wie wirdas Problem in Erinnerung an die Ausführungen des voraufgehendenKapitels auch formulieren können: es ist erst noch festzustellen, obdurch Aneignung vorhandener Vermögen mittelst allerhand Wucherauch Leute reich geworden sind, die etwa als „marchands oumanouvriers sans heritages“ angefangen haben.
Ich will mein Urteil gleich dahin zusammenfassen: dafs ichderartige Vermögensbildungen ex nihilo zwar nicht für schlechter-dings unmöglich halte, dafs ich aber nicht daran zu glauben ver-mag, sie hätten die Regel gebildet. Meine Gründe für diese An-sicht sind zum Teil dieselben, die ich schon gegen die Annahme zuFelde geführt habe, der moderne Reichtum sei durch Accumulationvon Handelsprofit der mercatores entstanden. Wenn auch nicht inso starkem Mafse, wie im Handel, gilt doch aber auch für jedesGeldgeschäft, dafs die Accumulationsrate (auf die, wie wir wissen,alles ankommt) niedrig bleiben mufs, so lange der Umsatz geringist — mögen die erzielten Gewinnsätze auch noch so hoch sein.Wer mit ein paar Hundert Gulden, seinen Wucher anfing, mufstebei dem ersten Zinsausfall, bei dem ersten Verlust der vorge-streckten Summe an den Ausgangspunkt seiner Thätigkeit, d. h.in die Vermögenslosigkeit zurückgeschleudert werden. Und auch,wenn er immer Glück hatte, so konnten sich die über den not-wendigen Lebensunterhalt hinausgehenden Einkommensbeträge doch