Elftes Kapitel.
Die unmittelbare Vermögensbildung.
Die handgreiflichste Form einer Ansammlung von Geldvermögenaufserhalb des kapitalistischen Wirtschaftsgefüges und vor allemKapitalismus ist der Erwerb der Geldware durch Eigengewinnungauf direktem Wege, ihre Zutageförderung durch Bergbau: wir
können hier füglich von unmittelbarer Accumulation 1sprechen. Auch der moderne Kapitalismus hat unzweifelhaft eineseiner Wurzeln in solchen selbsterarbeiteten Vermögen bergbauenderkleiner Leute.
Freilich während des Mittelalters sind es von den westeuro-päischen Ländern fast nur die Gebiete des heutigen Deutsck-
1 „Unmittelbare Accumulation“ können wir die Vermögensbildung ausBergbau nennen, weil es sich dabei in der That um Geld accumulation handeltohne das Erfordernis eines Austausches oder einer Gestaltveränderung deserzeugten Produkts. Das setzt natürlich voraus, 1. dafs es Bergbau auf Erzesei, denen die Geldware entnommen wird; also Gold-, Silber- und zum TeilKupferbergbau, und 2. dafs für diese Metalle (materielle) Prägefreiheit bestehe.Eine solche dürfen wir aber für das ganze Mittelalter annehmen. Die formellePrägefreiheit für Silber in italienischen Städten ausdrücklich konstatiertvon Pegolotti (Deila dee. 3, 194 und öfters). Ebenso durfte in Spanien jedermann Gold, Silber und Vellon (Kupfer) prägen lassen. Wer diese Metallein die Münze brachte, war dabei von der Aleabala und verschiedenenanderen Steuern befreit. M. J. Bonn, Spaniens Niedergang während derPreisrevolution des 16. Jahrhunderts (1896), 43. Wo ein ausdrücklich aner-kanntes Kecht zur Prägung nicht bestand (wie z. B. in Deutschland), brachtees die Knappheit an Edelmetallen während des Mittelalters mit sich, dafsdiese stets eine übernachgefragte Ware waren.
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