Elftes Kapitel. Die unmittelbare Vermögensbildung.
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Soetbeer) in den österreichisch-ungarischen Gebieten während derJahre 1493—1520 durchschnittlich 5,58 Mill., 1521—1544: 4,18 Mill.,1545—1560: 2,79 Mill., 1561—1580: 2,79 Mill., 1581—1600: 2,79Mill. Mk. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 15. Jahrhundert, alsdie ungarisch -siebenbürgischen und die salzburgischen Bergwerkeihre Glanzzeit hatten. Die Gesamt silb er Produktion Europas (also im wesentlichen der deutsch- österreichischen Länder) schätztSoetbeer für den Anfang des 16. Jahrhunderts auf 47 000 kg imWerte von 8 460 000 Silbermark. Lexis nimmt danach an, dafs inder Zeit von 1450—1500 die Jahresproduktion durchschnittlich8 Mill., 1250—1450 durchschnittlich 5 Mill., in der ersten Hälftedes 13. und im 12. Jahrhundert 3 Mill., im 10. und 11. vielleicht2 Mill., im 8. und 9. vielleicht 1 Mill. Silbermark betragen habe.Können wir nun nach weisen, dafs diese Beträge, ehe sie dem Ver-kehre zugeführt wurden, sich zuvor in gröfseren Summen in derVerfügungsgewalt der bergbauenden Bevölkerung zusammengefunden,d. h. also erst einmal „accumulierte“ Vermögen beträchtlichen Um-fangs gebildet haben, ehe sie ihren Weg ins Alltagsleben antraten?Selbstverständlich kann die Antwort auf diese Frage, bei der Be-schaffenheit des Quellenmaterials, nur sehr unvollkommen sein, wie> denn m. W. die umfangreiche Litteratur über die Geschichte des
Bergbaus die Frage bisher überhaupt nicht aufgeworfen hat. Auseinigen gelegentlichen Berichten alter Bergstadtchroniken müssenwir die Richtigkeit der Schlüsse zu erweisen versuchen, die wiraus dem Wesen der mittelalterlichen Bergbauwirtschaft etwa zumachen wagen.
Was sich mit ziemlich grofser Bestimmtheit sagen läfst, istdies: dafs die Anteile, die den Regalherren (oder Grund-herren) von der Ausbeute seit altersher geliefert werden mufsten,Quelle bedeutender Geldvermögen der Bezugsberechtigten gewesensind. Was wir von Heinrich dem Erlauchten, dem Markgrafen von
die thatsächliche Ausbeute liegen nicht vor. Die Ziffern bei Albinus (Meifs-f nische Berg-Chronica. 1590) sind längst als phantastische Übertreibungen er-
kannt. Was an zuverlässigen Ausweisen existiert, hat Ad. Soetbeerzusammen-gestellt in seiner ausgezeichneten Studie über Edelmetallproduktion und Wert-verhältnis zwischen Gold und Silber etc. (57. Ergänzungsheft zu PetermannsMitteilungen. 1879.) Danach hätte (S. 21) die durchschnittliche jährliche Silber-produktion in Deutschland betragen:
1493—1520 ... 22145 Pfund1520—1544 ... 31 180 -
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