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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

denen diese Urvermögen stammen, so ist es in dem einen FalleMehrwert der ländlichen, im andern Mehrwert der städtischenArbeit, der in Jahrhunderte lang währendem Entwicklungsgänge,Schritt vor Schritt mit zunehmender Produktivität der Arbeit ab-genommen und accumuliert werden konnte. Man sieht: so argblutig, wie Marx annahm, ist das Kapital nicht auf die Welt ge-kommen. Es war eine leise, allmähliche, für die werkthätige Be-völkerung unmerkliche Abzapfung kleiner Arbeitspartikelchen, dieim Laufe der Zeit die Fonds für kapitalistische Wirtschaft zubilden bestimmt waren. Notabene, nachdem durch allerhand ge-schickte Manipulationen, wie wir deren in den voraufgegangenenKapiteln schon verschiedene kennen gelernt haben, und danebendurch herzhaftes Zugreifen in den Bestand an Gütern und Arbeits-kraft bei fremden Völkern, wie in dem folgenden Kapitel nochauszuführen sein wird, nachdem auf solche Weise das Grund-vermögen um ein Vielfaches gesteigert worden war.

Aber ehe ich von dem in diesem Kapitel behandelten GegenständeAbschied nehme, möchte ich doch mit ein paar Worten noch denZusammenhang ausdrücklich nachweisen, der zwischen der dedu-zierten Grundrentenaccumulation und der Genesis des Kapitalsthatsächlich obwaltet. Ich kann das am besten thun, indem ichzeige, wie und wann die grundbesitzenden Geschlechter Handels-herren werden. Das ging nämlich so zu. Der zunehmende Geld-reichtum der Divites in den Städten war, wie ersichtlich, gar nichtdenkbar ohne eine Verschiebung der ökonomischen Existenzgrund-lage der Betroffenen. Denn was seine Zunahme bewirkte, war dieEntwicklung des städtischen Wesens; diese aber bedeutete einefortschreitende Einschränkung der ursprünglichen Berufsthätigkeitder Cives: der Landwirtschaft. In dem Mafse, wie die Bebauungdes Stadtgebiets fortschritt, also die Boden werte stiegen, wurdendie Hufen, wurde das Allmendeland kleiner und kleiner, bis schliefs-lich an einen selbständigen Landwirtschaftsbetrieb nicht mehr zudenken war.

Damit war aber die Möglichkeit geschaffen, gleichwie es vor-her schon die in der Stadt angesiedelten Landadligcn gethan hatten,von Gülten und Renten zu leben. Und viele der alten Geschlechtermachten sich diese Chance thatsächlich zu nutze: es sind die Otiosi,die ledechangers 1 der Quellen, jene bequemen Leute, diejetztmüssig gon wellent 2 . Sparsamere Hausväter hingegen (vielleicht

1 Vanderkindere, 69.

s Ochs, Gesch. der Stadt Basel , 1, 481.